Jüdische Gemeinde im Lande Bremen

 

Unsere Gemeinde wurde bereits im August 1945 durch Karl Katz neu gegründet. Die wenigen Überlebenden aus den Konzentrationslagern der Nazis waren die ersten Mitglieder. Die Gemeinde blieb klein und an der Grenze des Existenzminimums, was die Zahl ihrer Mitglieder anging. Manchmal waren es sogar nur 120 Menschen.

Seit 1991 beginnt sich das zu ändern. Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder gestatten jüdischen Flüchtlingen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion den Zuzug in die Bundesrepublik Deutschland. Auch zu uns kommen viele dieser Juden. Zum ersten Mal nach langer Zeit beginnt sich in unseren Gemeinde eine einigermaßen normale Demographie zu entwickeln. Waren die jüdischen Gemeinden vor dem Zuzug der Neuankömmlingen stark überaltet, so kommen jetzt Menschen aus allen Generationen. So hat unsere Gemeinde zur Zeit nicht nur über Tausend Mitglieder, sie hat auch zum ersten Mal seit Jahrzehnten mehr als hundert Kinder.

Der Grund liegt auf der Hand: es hat aus Bremen kein einziges Kind den Massenmord der Nazis an den Juden überlebt.

In der Weimarer Republik, unmittelbar vor der Nazizeit, lebten in Bremen 1.341 Juden. Das waren schon zur damaligen Zeit wesentlich weniger als in den Städten vergleichbarer Größe. Der Grund mag darin liegen, daß es in Bremen besonders schwer war, überhaupt eine jüdische Gemeinde zu gründen, ja, das Zuzugrecht für Juden zu erhalten. Später wuchs die Gemeinde, und zwar bis 1933. Die meisten Juden, die nicht ins 1938 ins Ausland flüchten konnten, wurden in Minsk, Theresienstadt und in Ausschwitz umgebracht.

Heute ist unsere Gemeinde ein integraler Bestandteil der Stadt und des Bundeslandes. Der Rabbiner der Gemeinde, Professor Dr. Barslai,unterrichtet nicht nur an der Bremer Universität, auch Kurse über Religion und Geschichte des Judentums vermittelt er in zahlreichen Institutionen.

Führungen durch die Synagoge für verschiedene Gruppen und Schulklassen werden regelmäßig von ihm und der Gemeindevorsitzenden durchgeführt. Innerhalb der Gemeinde ist durch die ständige Zuwanderung ein reges Leben entstanden. Neben der wichtigen sozialen Fürsorge für die Immigrantenfamillien, zu der auch die Einrichtung der Deutsch-Kurse gehört, ist das Hauptziel, die Jüdischkeit an sich wiederzufinden. Die Kleinsten werden schon damit im Kindergarten bei unseren Gemeinde beschäftigt. Am Sonntag haben die Schulkinder Unterricht in Geschichte und Religion und vergnügen sich danach im Jugendzentrum. Eine russischsprachige Kulturgruppe versteckt sich ebenfalls nicht mit ihren vielen Veranstaltungen und auch der vor kurzem gegründete Seniorenklub erfreut sich großer Beliebheit. Bei den Schabbat- Gebeten treffen sich Menschen jedes Alters.

Das Leben pulsiert...