| Schulvermeidung
spürbar reduzieren
Schulvermeidung im Alltag von
Jugendlichen Anlässlich einer Fachtagung zum Thema Schulverweigerung bekam das Amt für Soziale Dienste Bremen, Sachgebiet Fortbildung, den Auftrag vom Senator für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales, eine Studienfahrt nach Halmstadt (Schweden) zu organisieren. Das Ziel der Reise war kennen zu lernen, wie in Schweden mit dem Thema Schulverweigerung umgegangen wird. Wir haben neben einer Grundschule mit Kindergarten und Hort, ein Sek. I und II Zentrum und nahe gelegenem Jugendfreizeitheim, dazu das Pädagogische Ressourcen Zentrum, die Hochschule Halmstad sowie ein Projekt der vorbeugenden Kinder- und Jugendarbeit besucht. Dabei wurde hospitiert, diskutiert und viele neue beeindruckende Erfahrungen gesammelt. An dieser Stelle noch einmal ein Danke an Lasse Berger vom Präventionszentrum Nord für die engagierte Begleitung. An der Reise haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Freien- und Kommunalen Jugendhilfe, Schulen und Behörden teilgenommen. Trotz der unterschiedlichen Berufssozialisationen" war die Studienfahrt durch eine angenehme Atmosphäre gekennzeichnet, die nicht nur in der mehrmaligen, gemeinsamen Erstellung eines Drei-Gänge-Menüs, sondern auch in offenen und teilweise kontroversen Diskussionen ihren Ausdruck fand. Ein Ergebnis dieser Reise ist der Besuch einer schwedischen Delegation im November 2002 in Bremen, um verbindliche Kooperationen auszubauen.
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| Weiter unten auf dieser Seite findet ihr ein paar Bilder, die auf der Studienreise entstanden sind Zum download des Readers im PDF Format bitte hier klicken
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| Zur Textauswahl |
| Kinder- und Jugendfürsorge in Halmstad Halmstad hat ca. 85.000 Einwohner. Für Schweden ist es eine attraktive Stadt, da Halmstad von einer schönen Landschaft umgeben ist und gute Verkehrsanbindungen nach Malmö und Göteborg (ca.1h) hat. Auf Grund dessen hat Halmstad eine hohe Zuzugsrate. Die Kommune Halmstad (Landkreis) hat eine Ausdehnung von 40 km in nord - südlicher Richtung und 30 km in ost - westlicher Richtung. Im westlichen Landesteil gibt es viel landwirtschaftliche Fläche, im östlichen Teil mehr Forstwirtschaft. Die Kinder- und Jugendfürsorge Halmstads ist zuständig für alle Kinder von 1. - 16. Lebensjahr und damit für Kindergarten und Grundschule (1. - 9. Klasse). Sekundarstufe II und die Erwachsenenbildung unterliegen einer anderen Verwaltung - Utbildningsförvaltningen". Förskolan" umfasst alle Einrichtungen vor der Grundschule. Sie sind damit zuständig für Kinder zwischen dem 1 und 7 Lebensjahr. Diese Einrichtungen sind offen für alle Kinder und werden von 90% aller Kinder besucht. Mit 6 Jahren kommen die Kinder in die Vorklasse, eine Art Schuleingangsstufe. Der Kostenanteil, den die Familien tragen müssen, unterliegt einem Reichstagsbeschluss, der Max-Taxa". Diese regelt, dass Familien maximal 1900,- SKr pro Monat (ca. 210 Euro) für den Kindergarten zahlen müssen. Dies ist unabhängig davon, wieviele Kinder innerhalb der Familie diese Betreuung in Anspruch nehmen. Die Vorschulerziehung umfasst 45 - 50 Stunden Betreuung in der Woche. Die genaue Zeit orientiert sich am Bedarf der Eltern. Mit 7 Jahren werden die Kinder in die 9 -jährige Grundschule eingeschult. Bis zum 10. Lebensjahr gibt es die Möglichkeit, nach Unterrichtsschluss im Hort (frititshem ) betreut zu werden. In den Zuständigkeitsbereich der Kinder- und Jugendfürsorge gehört auch die Sonderschule (särskola) und die Kulturschule (kulturskola). Die Sonderschule ist für alle Kinder, die die Grundschule nicht bewältigen können. In der Region Halmstad betrifft dies 1 - 2% der Kinder. Den höchsten Anteil bilden hier schwerstbehinderte Kinder. Alle anderen Kinder mit erhöhten Betreuungsbedarfen werden in die Grundschulen integriert. Die Kulturschule bietet ca. 1500 Kindern und Jugendlichen ein freiwilliges Angebot in Gesang, Musik, Theater, Tanz und Kunst. Weiterhin gibt es in Halmstad eine spezielle Schule für Autisten. Dorthin gehen derzeit 30 Kinder und Jugendliche im Alter von 1 - 22 Jahren.
· 5900 Kinder in staatlichen Einrichtungen · 525 Kindern in privater Kinderbetreuung · 10.780 Kindern und Jugendlichen in der Grundschule · 260 Kindern in freien Schulen In der Kommune Halmstad gibt es · 77 kommunale Kindertagesheime · 38 kommunale Schulen · 2300 Angestellte in diesem Bereich · ein Budget von 953 Milionen SKr (ca. 105 Mio. Euro)
In Halmstad regieren die Sozialdemokraten mit den Kommunisten. Sie werden von den Grünen unterstützt. Derzeit gibt es eine vertikale Verwaltungshierarchie. Der Wunsch ist es, diese in den nächsten Jahren abzuflachen und durchlässiger zu gestalten. Rektoren sollen verstärkt einbezogen werden, um Beschlüsse näher an den Anforderungen der Praxis zu fassen und Probleme basisnäher zu lösen. Das bedeutet, dass der Einfluss der RektorInnen größer würde. Alles was man tut, um ein Problem zu lösen, soll zum Wohle des Kindes geschehen" - das ist der Leitsatz der Kinder- und Jugendfürsorge. Zur Problemlösung werden alle Personen aus dem Umfeld des Kindes einbezogen und ihre Meinung berücksichtigt. Auch von Behördenseite wird angestrebt, Veränderungsideen des inneren Zirkels in Vielfalt und Kreativität zuzulassen und keine extern festgelegten Lösungsvorgaben zu machen. Schulsystem1989 wurde in Schweden das Schulsystem verändert. Die Schulen werden nicht mehr zentral vom Staat sondern dezentral von den Kommunen verwaltet. Die Absicht ist, die regelstrukturierte Schule hin zu einer zielgesteuerten Schule zu verändern. Leider ist dies noch nicht überall umgesetzt. Es gibt weiterhin ein Schulgesetz, das staatlich beschlossen ist. Es regelt z.B. das für den Schulbesuch keinerlei Gebühr erhoben werden darf. Auf kommunaler Ebene werden in diesem vorgegeben Rahmen die Verordnungen detailliert ausgearbeitet. So besagt z.B. die Grundschulverordnung auf kommunaler Ebene in Halmstad, dass eine LehrerIn gestellt werden muss, wenn 5 SchülerInnen eine bestimmte Fremdsprache lernen wollen. Die SchülerInnen haben ein Recht auf 6560 Stunden Unterricht in der Grundschule. Die Lehrpläne für Vorschule (auch Kindergarten), Grundschule und Gymnasium orientieren sich an den gleichen Grundprinzipien und Zielen. Früher zielte der Lehrplan nur auf abfragbares Wissen ab, heute basiert er auf einer konstruktivistischen Theorie: Es wird vom Ist - Zustand der SchülerIn ausgegangen. Lernen soll das soziale System des Kindes einbeziehen, von der Vorgeschichte des Kindes ausgehen. Das Kind soll da abgeholt werden wo es steht. Bei der Umsetzung treten mehrere Probleme auf, z.B. dass die Kommunen unterschiedlich reich sind, und ihnen somit unterschiedlich hohe Budgets für die Schulversorgung zur Verfügung stehen. Als weiteres Problem werden die schnellen gesellschaftlichen Veränderungen gesehen. Diese haben einen erheblichen Einfluss auf die Schule, da sie erkannt hat, dass sie darauf reagieren muss. Es ist schwer, sich umgehend dazu zu verhalten und Schule daran anzupassen. Auch haben sich die SchülerInnen verändert, die LehrerInnen haben nicht mehr die uneingeschränkte Autorität wie früher. Im Zuge der Umsetzung des neuen Lernprinzips treten auch neue Fragen in Bezug auf die Erfolgskontrolle auf: Wie wird die Qualität der Arbeit gemessen? Wie kann überprüft werden, ob das Ziel des Lehrplans erreicht worden? Um diese Fragen zu beantworten, werden derzeit Messinstrumente entwickelt, die sich nicht an Zahlen, sondern an der Qualität der Arbeit orientieren.
Die SchülerInnen bekommen erst in der 8. Klasse
ihr erstes Zeugnis. Von der In dem Zensurenzeugnis gibt es die drei Bewertungskriterien sehr gut", gut" und befriedigend". Letzteres wird jedoch nicht alleinig benannt, sondern es erfolgt eine detailliertere Beschreibung der befriedigenden Leistung. Die Voraussetzung für den Übergang in die Gymnasialstufe ist ein gut" in den drei sogenannten Kernfächern Mathe, Schwedisch und Englisch. 88 - 90% aller SchülerInnen sind hier erfolgreich. Erreicht eine SchülerIn dieses Ziel nicht, liegt es in der Verantwortung der Schule, einen weitergehenden Förderplan zu erstellen. Bei der Erstellung werden PädagogInnen, Eltern und SchülerIn mit einbezogen. Im Förderplan wird festgehalten, was wann in welchem Zeitraum erreicht werden soll. Die individuelle Förderung wird in den Unterricht eingegliedert, ggf. wird eine SpeziallehrerIn" zur Unterstützung angefordert. Wichtig bei der Erstellung des Förderplans ist die Einbeziehung der SchülerIn, damit die Art der Förderung und der Förderbedarf als eigener Bedarf und nicht als fremdbestimmt erlebt wird. Insgesamt wird eine gute persönliche LehrerInnen - SchülerInnen Beziehung angestrebt, da davon ausgegangen wird, dass dies einen positiven Einfluss auf die SchülerInnenmotivation hat. Seit dem Schulstrukturwandel werden LehrerInnen für diese neue Zielorientierung über Fortbildung und über die Ausbildung von ModeratorInnen, die den Unterricht beobachten und die Beobachtungen den LehrerInnen spiegeln, geschult. Um den Wandel praktisch umzusetzen, gelten zwei Leitsätze:
Die Umsetzung der Kompetenzentwicklung bei den LehrerInnen ist Aufgabe der RektorInnen. Neben dem individuellen Blick auf die SchülerIn sollen die Lernziele über unterschiedliche Materialien, die sich an der Lebenswelt des Kindes orientieren, erreicht werden. Weiterhin wird fächerübergreifend gearbeitet. Fachbücher werden nur als Hilfmittel gesehen. Die SchülerInnen sollen mehr schreiben, reproduzieren, produzieren und bewerten. Konkret heißt dies, dass es z.B. keine Ausfülltexte mehr gibt, sondern die SchülerInnen Fragen in ganzen Sätzen beantworten müssen. In den Klassen sind ca. 25 SchülerInnen, oft findet der Unterricht jedoch in unterschiedlichen Gruppenzusammensetzungen aus unterschiedlichen Klassen statt. Hierbei wird jahrgangsübergreifend gearbeitet. Eine Leistungsgruppenaufteilung gibt es nicht. Heute arbeiten die LehrerInnen im Team. So wird zum einen Material ausgetauscht, gemeinsam fächerübergreifend geplant und zum anderen unterrichtet so eine LehrerIn in mehreren Klassen. Die Anwesenheitspflicht der LehrerInnen in der Schule beläuft sich auf 35 Stunden pro Woche. Hinzu kommen noch 10 Stunden Vorbereitungszeit Zuhause. Von den 35 Stunden Anwesenheit in der Schule unterrichten die Lehrkräfte 16 - 17 Zeitstunden. Die restliche Zeit stehen sie den SchülernInnen zur Verfügung oder nutzen die Zeit für Unterrichtsbesprechung und -planung.
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Eine Leistungsgruppenaufteilung gibt es nicht. Birthe Höltje
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Das Individuelle Programm ist für SchülerInnen entwickelt worden, die nach den neun verpflichtenden Grundschuljahren nicht den Abschluss geschafft haben, d.h. SchülerInnen ohne drei Sterne in Mathe, Schwedisch und Englisch. Dies sind in Halmstad etwa 10 % der SchülerInnen eines Jahrganges, entsprechend etwa 120 SchülerInnen pro Jahr. Diese SchülerInnen können nicht von der Grundschule in die weiterführenden Programme am Gymnasium (Sek II) wechseln. Sie sollen in einem Jahr durch gezielten Förderunterricht in Mathe, Schwedisch und Englisch soweit gebracht werden, dass sie den Abschluss nacharbeiten. Das Individuelle Programm ist organisatorisch an das Gymnasium angegliedert. Nach erfolgreichem Abschluss sollen die Schüler wieder am Regelunterricht in den Programmen des Gymnasiums teilnehmen. Bei Misserfolg gibt es die Möglichkeit, das Jahr zu wiederholen. Eine Klasse hat 8 SchülerInnen. Eine Theorie- und eine PraxislehrerIn erteilen den Unterricht. Neben dem Unterricht in den drei oben erwähnten Fächern gibt es Praxisunterricht in unterschiedlichen Bereichen z.B. Bau, Metall, Restaurant, Büro, Pflege ... Wir besuchen eine Klasse im Baubereich. Sie gehört zum Kattegattgymnasium, einem der drei Gymnasien von Halmstad. Diese Schule, der etwa 1300 SchülerInnen angehören, hat zur Zeit insgesamt 24 Plätze im Individuellen Programm. Neben den 8 Plätzen im Baugewerbe gibt es weitere 8 Plätze im Bereich Industrie und 8 im Bereich KFZ. Das Programm, welches speziell für benachteiligte Jugendliche eingerichtet wurde, ist ebenso wie vergleichbare Programme in anderen Ländern exklusiv und teuer. Unter benachteiligt" wird angenommen, dass die Jugendliche Probleme hat, die verhindert haben, dass sie ihren Grundschulabschluss erreicht hat. Die Ursachen sind vielfältig z.B. Lernschwierigkeiten, Schulmüdigkeit, Schulvermeidungsverhalten, problematische Lebensverhältnisse... Die Probleme hat die Jugendliche, weil die Gesellschaft im Umgang mit ihr Fehler gemacht hat. Dadurch ist es nun auch die Pflicht der Gesellschaft, Kosten und Mittel bereit zu stellen, um eine Korrektur vorzunehmen. Ziel des schwedischen Schulsystems ist es, durch ein frühzeitig eingreifendes Unterstützungssystem die Anzahl der ProblemschülerInnen möglichst gering zu halten. Die von unserer Gruppe besuchte Klasse des Kattegattgymnasiums errichtet seit 4 Jahren Holzferienhäuser für einen Campingplatz. Pro Jahr werden 2 Häuser fertiggestellt. Der Campingplatz ist der Auftraggeber, der die Häuser auch bezahlt. Ein Haus kostet ca. 30.000 Euro. Vom Ausschachten über das Herstellen einer Grundplatte, dem Mauern eines Grundsockels und dem Errichten des Holzhauses in traditioneller schwedischer Holzbauweise planen und bauen die SchülerInnen gemeinsam mit ihrem Praxislehrer Nisse alles selbst. Lediglich die Elektrik und die Wasserinstallationen werden bei Fachbetrieben in Auftrag gegeben. Während Nisse mit der Halbgruppe drei Stunden praktisch arbeitet, nimmt die andere Halbgruppe am Theorieunterricht des Lehrers Ingmar teil. Der Theorieunterricht wird vor Ort in einem der Holzhäuser erteilt. Der Unterricht in kleinen Gruppen ermöglicht starke Individuelle Differenzierung. Jede SchülerIn plant ihr Studium mit dem Lehrer. Das Bauprojekt wird in den theoretischen Unterricht integriert. Wenn eine SchülerIn unentschuldigt dem Unterricht fernbleibt oder Probleme hat, gibt es Klassenkonferenzen. Das Schülerpflegeteam tritt in Aktion. Dazu gehören KuratorIn, KlassenlehrerIn, DirektorIn, die Schulkrankenschwester, eine MitarbeiterIn der Sozialbehörde, die Eltern, gegebenenfalls die KontaktpolizistIn.Bei einer Abwesenheit der SchülerIn über 15 % hat sie gegebenenfalls auch ökonomische Nachteile in Kauf zu nehmen. Nach neun Grundschuljahren ist in Schweden die Schulpflicht erfüllt und ein weiterer Schulbesuch ist nicht zwingend, aber fast alle SchülerInnen wechseln dann auf das Gymnasium. Allein mit dem Grundschulabschluss sind die Chancen auf dem freien Arbeitsmarkt gering. Das Gymnasium wird drei Jahre lang besucht. Auf dem Kattegattgymnasium kann z.B. zwischen 17 verschiedenen Programmen gewählt werden. Die Mehrheit der Programme entsprechen einer berufspraktischen Ausbildung. Einige theoretische Zweige entsprechen unserer Gymnasialen Oberstufe. Alle Programme sind dreijährig und ergeben eine Zulassung für Studien an Universitäten und Hochschulen.
Um das Examen zu machen, muss man 2500 Punkte angesammelt haben. Diese verteilen sich wie folgt : 1450 Punkte in den berufsspezifischen Fächern, 750 Punkte in den Kernfächern und 400 Punkte für Projektarbeit. In Halmstadt gibt es neben dem Kattegatgymnasiet das Sannarpsgymnasiet und das Sturegymnasiet.
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Marita Gores
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Der Kindergarten Brearedschule" Der Vormittag mit dem Besuch von Kindergarten und Grundschule der Brearedschule stand unter dem Thema Ein frühes, gutes Schulmilieu ist wichtig, um späteren Schulproblemen vorzubeugen".Die Brearedschule liegt in einem Randbezirk von Halmstad, im Grünen. Die Umgebung wirkt eher ländlich. Der Kindergarten liegt auf einem eigenen Gelände neben der Schule, organisatorisch bilden Kindergarten und Schule eine Einheit. Die Vorschriften zur Kinderbetreuung wurden 1998 aus dem Gesetz über den Sozialleistungsdienst herausgenommen und in das Schulgesetz übertragen. Das Schulgesetz gibt u.a. an, was unter Vorschultätigkeit zu verstehen ist und benennt entsprechende Arbeitsformen. Wenn Eltern einer beruflichen Tätigkeit oder einer Ausbildung / einem Studium nachgehen (wollen) oder Kinder einen besonderen Betreuungsbedarf haben, sind die Kommunen verpflichtet, die dafür notwendigen Betreuungsangebote bereit zu stellen. Die Plätze sind nach Anmeldung schnellstmöglich, spätestens jedoch nach 3 - 4 Monaten in Wohnortnähe zur Verfügung zu stellen. Unter der Bezeichnung Vorschultätigkeit sind in Schweden die Betreuungsangebote für Kinder von 1 Jahr bis zum Schulbeginn zusammen gefasst. Neben der Betreuung in einem Kindergarten kann dies auch die Betreuung von einem oder mehreren Kindern in einer Familientagesstätte bedeuten, das heißt die Betreuung des Kindes bei einer ausgebildeten Fachkraft zu Hause. Wir werden von der Leiterin des Kindergartens durch das Haus geführt, z.Zt. werden hier 55 Kinder im Alter von 1 - 6 Jahren betreut. In der Gruppe der Jüngeren sind 15 Kinder im Alter von 1 - 3 Jahren, in der Gruppe der Älteren 40 Kinder im Alter von 3 - 6 Jahren. Die beiden Altersgruppen haben eigene Räumlichkeiten, die durch eine gemeinsam nutzbare Spielfläche miteinander verbunden sind. Die Leiterin stellte dar, dass in der Gruppe der älteren Kinder mit noch weiter gehender Altersdifferenzierung gearbeitet wird. Das ursprüngliche Konzept sah vor, mit der Altersgruppe der 1 - 6 Jährigen in einer Gruppe gemeinsam zu arbeiten. Um den individuellen Bedürfnissen der Kinder besser entsprechen zu können, wurde die Arbeit verändert und eine Altersdifferenzierung vorgenommen. Die Einschulung erfolgt in Schweden in der Regel mit 7 Jahren. Ergänzend gibt es die Vorschulklasse als freiwillige Schulform. Seit 1998 sind die Gemeinden verpflichtet, Kindern ab dem 6. Lebensjahr einen Vorschulplatz anzubieten. Die Betreuung muss mindestens 525 Stunden jährlich umfassen. Die Gruppenstärke im Kindergarten beträgt 15 - 16 Kinder, es gibt jedoch keine formale Obergrenze. Im Prinzip wird das Personal entsprechend der Kinderzahl berechnet und aufgestockt. Behinderte Kinder werden in den regulären Gruppen betreut, bei Bedarf erhalten sie stundenweise (nach individueller Berechnung) eine persönliche Assistenz. Für eine Gruppengröße von 15 - 20 Kindern sind 3 MitarbeiterInnen vorgesehen. Von der Qualifikation her sind es VorschullehrerInnen, FreizeitpädagogInnen, KinderpflegerInnen oder FamilienkinderpflegerInnen, bei unserem Besuch trafen wir keine männlichen Mitarbeiter an. Die Öffnungszeiten richten sich nach den Erfordernissen der Eltern und den Bedürfnissen der Kinder. Der Kindergarten Brearedschule hat z. Zt. von 6.30 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Im Früh- und Spätdienst werden die Altersgruppen zusammen gefasst und gemeinsam betreut. Die langen Öffnungszeiten begründen sich zum Teil aus den langen Arbeitswegen vieler Eltern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Kinder an den freien Tagen der Eltern zu Hause bleiben. Der Beitrag für die Betreuung richtet sich nach der Dauer der Anwesenheit des Kindes und dem Einkommen der Eltern. Sozialhilfeempfänger zahlen keinen Beitrag, der Höchstbeitrag für alle Kinder einer Familie zusammen (Kindergarten und Hort) liegt bei ca. 210 Euro im Monat. Die Vorbereitungszeit für die MitarbeiterInnen beträgt 2 Stunden in der Woche. Damit sind die Zeiten für Konferenzen und Vor- und Nachbereitung der Arbeit abgedeckt. Für den Vorschulbereich gibt es seit 1998 einen eigenen Lehrplan in Form einer Verordnung. Damit wird die Bedeutung der Vorschule als erster Schritt eines lebenslangen Lernprozesses hervor gehoben. In der Kommune Halmstadt wurde dafür ein Heft Der Baum des Wissens" konzipiert. In diesem Heft werden Lernziele festgehalten, die den Prinzipien Demokratie, Geborgenheit, Verantwortung, Gleichberechtigung, Solidarität" zugeordnet werden. Jedes Kind erhält mit Eintritt in den Kindergarten einen eigenen Baum des Wissens", in dem die Entwicklungsschritte, ausgehend von den Ressourcen und Kompetenzen des Kindes, festgehalten werden. Die Arbeit im Kindergarten wird in dem Bewusstsein getan und dokumentiert, dass hier die Wurzeln für die emotionale und soziale Entwicklung, für die motorische, intellektuelle und die Sprachentwicklung gelegt werden. Die Hefte begleiten die Kinder auf dem Weg in die Schule bis zur Entlassung. Sie werden in den jeweiligen Klassen weiter geführt. Der Baum des Wissens" lag uns leider nur in schwedischer Sprache vor, eine Beurteilung war somit auch in der Kürze der Zeit nicht möglich. Es wäre gut, eine Übersetzung davon einsehen zu können. Die Hefte sind auch die Grundlage für die halbjährlichen Entwicklungsgespräche mit den Eltern. Wir erfuhren, dass die Arbeit mit dieser Dokumentation von den MitarbeiterInnen und Eltern als hilfreich und positiv empfunden wird. Beim Rundgang durch das Haus fällt die ruhige und gemütliche Atmosphäre auf. Einige Kinder spielen draußen, andere sind in kleinen Spielgruppen zusammen. Als wir um kurz nach neun Uhr den Rundgang beginnen, sind längst nicht alle Kinder da. Im Eingangsbereich gibt es eine Schuhschleuse, das Regenzeug für alle Kinder hängt bereit. Es besteht die Möglichkeit, nasse Kleidung und Schuhe in einer Art Wärmeofen zu trocknen. Die Räume sind nicht sehr groß, sie bieten die Möglichkeit, von einem in den nächsten Raum zu gehen. Die Gestaltung der Räume ist anregend und bietet vielfältige Möglichkeiten, Aktivitäten und Spiele auszuwählen und durchzuführen. Ein Raum ist eher für das Essen eingerichtet und vorgesehen. Das Essen kommt aus der Schule, wird dort zubereitet. Der Kindergarten verfügt aber auch über eigene Vorräte, so dass auf Anforderungen der Kinder individuell reagiert werden kann. Viel Wert wird auf die Dokumentation der Arbeit mit Fotos und anderen Materialien in Augenhöhe der Kinder gelegt. Beim Rundgang durch das Haus wird auch deutlich, dass die kreative Betätigung wichtig genommen wird. (Im anschließenden Besuch der benachbarten Schule erfahren wir, dass dort die Gedanken der Reggiopädagogik nach Malaguzzi eine wichtige Rolle spielen). Es gibt einen Ruheraum, in den sich die Kinder zurück ziehen können, er wird auch für die Arbeit mit Entspannungsmusik und Traumreisen genutzt. Für die jüngeren Kinder sind feste Ruhe- bzw. Schlafenszeiten vorgesehen. Einmal in der Woche findet die offene Vorschule statt. Dieses Angebot richtet sich an Eltern mit noch nicht im Kindergarten aufgenommenen Kindern. An diesem Tag kommen die Kinder mit ihren Eltern und machen erste Erfahrungen mit dem Kindergarten. Eltern übernehmen Aufgaben und Mitverantwortung für die Gestaltung eines solchen Vormittags. Im Rahmen der Studienfahrt war dieser Besuch im Kindergarten der einzige in einer Vorschuleinrichtung. Es war somit nur ein kurzer Eindruck und Einblick, der viele Fragen unbeantwortet ließ bzw. viele Fragestellungen entwickelten sich erst im Anschluss an den Besuch. Deutlich wurde, dass eine enge Kooperation zwischen Schule und Vorschuleinrichtungen vorhanden ist auf der Grundlage des gemeinsamen Ziels: am Wohlbefinden und an der Entwicklung des Kindes zu arbeiten. Der Gedanke, dass die Kinder sich wohl fühlen sollen als Voraussetzung für den Lernprozess und eine positive Entwicklung insgesamt, begegnete uns hier im Kindergarten wie auch in den besuchten Schulen immer wieder. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die individuelle Situation des Kindes mit seiner gesamten Persönlichkeit. Die Bedeutung des Spielens für die Entwicklung und den Lernprozess des Kindes wird sowohl in der Vorschulpädagogik als auch in der Schulkinderbetreuung betont. Sie wird auch in den Lehrplänen und Aussagen der Lehrkräfte entsprechend bewertet. Die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Eltern ist ein sehr wichtiger Baustein in der Arbeit, für den viel Zeit aufgewendet wird.
Renate Neumann
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Rahmenbedingungen Grundschule Brearedschule" Die Brearedschule in der Peripherie Halmstads befindet sich als Dorfschule auf einem großzügigen Gelände am Waldrand und hat Schullandheimcharakter. Die Schule ist, wie alle Schulen in Schweden, für alle Kinder (integrierte Gesamtschule) zuständig. Hier lernen etwa 160 SchülerInnen. Die sechsjährigen Vorschulkinder und die Jahrgänge 1 - 3 werden in jahrgangsübergreifenden Klassen unterrichtet. Daneben gibt es noch die Klassen 4 und 5. Aus Kapazitätsgründen ist die sechste Jahrgangsstufe nach Vallås verlagert worden. Zwei Horte sind in der Schule integriert. Das pädagogisches Personal ist täglich von 7.30 Uhr bis 18.30 Uhr anwesend. Das Personal ist sowohl altersmäßig als auch nach den Geschlechtern ausgeglichen verteilt. Es wird vom Rektor eingestellt, der anderthalb Tage in der Woche in dieser Abteilung der Schule vor Ort ist. Für Lehr- und Lernmittel stehen der Schule jährlich 19.000 Euro zur Verfügung.Die Unterrichtsorganisation wurde nicht im Einzelnen dargestellt, es wurde jedoch deutlich, dass es kein normales Stundenraster mehr gibt. Die klassischen Unterrichtsfächer werden nicht getrennt unterrichtet, sondern sind im fachübergreifenden Unterricht aufgegangen. Projekte stellen einen wesentlichen Bestandteil des Schulalltags dar. Alle Klassenräume sind zum selbstständigen Arbeiten und darin Wohlfühlen eingerichtet und verfügen über einen Gruppenraum, der manchmal auch eine Kücheneinrichtung enthält oder aber Computer. Ein Klassenraum steht als Theaterraum mit entsprechender Einrichtung allen Klassen zur Verfügung. Wichtigster Gebäudeteil ist das Herzhaus", in dem ein wesentlicher Anteil des sich an den ganzen Menschen wendenden Unterrichts" umgesetzt wird. Hier finden Projekte mit Anteilen aus Kunst, Werken, Textilarbeit und Naturwissenschaften statt. Betreut und organisiert wird dieser Bereich von einer Lehrerin, die neben ihrer Ausbildung als Vorschullehrerin über Zusatzqualifikationen in der bildnerischen Gestaltung und als Symbolpädagogin verfügt, sowie einem Freizeitpädagogen mit einer Zusatzqualifikation in Werken (Schwerpunkt Holz). Jedes Kind verbringt hier in der Regel 80 Minuten pro Woche. Die beiden PädagogInnen bieten im Regelfall 30 Stunden pro Woche an, sind aber häufig auch in Projekten der Klassen eingebunden. Zur Anregung von Untersuchungen und Projektthemen haben die beiden PädagogInnen einen Schrank entwickelt, der zum Beispiel ausgehend von Farben sowohl Auseinandersetzungen mit naturwissenschaftlichen Phänomenen als auch das Nachdenken über gesellschaftliche und soziale Zusammenhänge ermöglicht. So führt die Farbe Blau zum Blau des Himmels oder des Wassers, aber auch zum Blau der Uniformen und zum Blues". In der roten Kiste geht es um Liebe, das Rotfuchsfell u.a. . Wissenschaft und Kunst bilden hier eine Einheit. So gibt es etwa Experimente zu Farb- und Schatteneffekten, aber auch die Beschäftigung mit Mythen und Volkssagen wird ermöglicht; geschichtliche Themen sind integriert. Die Kinder sollen einen Zusammenhang von innerer und äußerer Welt schaffen können, sie sollen erkennen können: Es geht um mich in dieser Gesellschaft. Zur Bearbeitung der gefunden Themen ist das Herzhaus mit Werk- und Kunsträumen ausgestattet. Außerdem findet sich im Herzhaus noch ein besonderer Raum, das weiße Zimmer". In dieses Zimmer können sich Kinder, wie Erwachsene, zurückziehen, wenn sie bedrückt, traurig oder angespannt sind, um sich zu sammeln und zu sich kommen zu können. Am Beispiel einer fünften Klasse wird deutlich wie versucht wird, auf Kinder mit Problemlagen zu reagieren. Von den neunzehn Kindern haben vier besondere Auffälligkeiten.
Insgesamt gibt es in der Schule zwölf diagnostizierte Problemfälle. Im Umgang mit diesen wie auch anderen Problemen gilt allgemein: Probleme müssen gleich gelöst werden, sonst verfestigen sie sich". Auf der Suche nach Lösungen wird alles berücksichtigt, "was geeignet ist dem Kind gerecht zu werden, es ernst zu nehmen ". Bilanziert werden dabei auch immer die pädagogischen Kompetenzen, die in der Schule vertreten sind sowie Ressourcen, die im Umfeld der Schule vorhanden sind. Grundlage des schwedischen Schulhandelns ist die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. Das familiäre Umfeld wird genauso berücksichtigt wie die Hobbies und Vorlieben, die das Kind hat.
Am Beispiel des Kindes mit selektivem Mutismus wird kurz erläutert, welche Erfolge mit so einem Ansatz möglich sind. Zu Beginn verweigerte es jegliche Kommunikation und Kooperation in der Klasse. Man merkte schnell, dass dieses Kind in besonderen Situationen und mit einzelnen MitschülerInnen durchaus zu sprechen und zu arbeiten in der Lage war, also wurden möglichst viele solcher Situationen arrangiert. Eine Förderlehrerin, die an der Schule zur einen Hälfte als VorschullehrerIn arbeitet und zur anderen Hälfte als SpeziallehrerIn, wurde mit geeigneten Maßnahmen beauftragt. In kleinen Gruppen gelang es dem Kind, sich zu entfalten. Heute hat es als Projektarbeit einen Videofilm (eine mögliche Form eines sprachfreien Arbeitsergebnisses) erstellt, zu dem es noch einen kurzen Vortrag halten soll und mittlerweile wohl auch schon kann. Für die übrigen Kinder in der Klasse ist ein wesentliches Ziel, Toleranz und Akzeptanz allen MitschülerInnen gegenüber zu erreichen. Die Schule verfügt außerdem über ein Sprachlabor, dass speziell für die Behebung der Lese - Rechtschreibschwäche und allgemein zur Förderung der Lesekompetenz eingesetzt wird, weil die Sprache so wichtig ist".
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Die Grundschule Brearedschule" Die Brearedschule hat zur Zeit etwa 160 SchülerInnen. Zur Schule gehören 2 Hortgruppen, die Schule betreibt eine Schulkantine und beschäftigt eine Krankenschwester. Der Rektor ist für mehrere Schulen zuständig und nur an 2 - 3 Tagen in der Woche vor Ort. Die Eltern sind durch einen Verein stark in die Arbeit am Schulmilieus eingebunden. Die Arbeit des Elternvereins wird für uns an der Gestaltung des Schulhofes, kleinen Gemüse- / Blumenbeeten, der individuellen Gestaltung der Klassenräume und an besonderen Materialien, die zu Arbeitsprojekten gehören, sichtbar. Die Schule ist im Bungalowstil um den Schulhof gebaut und liegt sehr schön im Grünen, nahe am hügeligen Waldrand. Zusammenarbeit ist eines der Grundprinzipien der MitarbeiterInnen, genau wie flexible Lösungen für unterschiedliche Probleme z.B. bei Krankheitsvertretung oder Regelung von Klassenfahrten. Die MitarbeiterInnen vom Kindergarten und der Schule vertreten sich untereinander. Die Schule ist täglich von 7 - 16 Uhr geöffnet. Das Mittagessen ist für alle SchülerInnen kostenlos. Wir haben uns in dieser Schule das Herzhaus" und eine 5. Klasse genauer angesehen. Durch die Diskussion praxisnaher Fragestellungen erfuhren wir vieles über die Arbeitsweise der MitarbeiterInnen (LehrerInnen, SozialarbeiterInnen, BehindertenpädagogInnen etc.). Das Herzhaus ist ein besonderes Modell dieser Schule und wird inhaltlich getragen von der Arbeit der zwei dort zuständigen Lehrkräfte. Das Herz ist ein Symbol für das körperliche und das emotionale Dasein des Menschen. Die Arbeitsweise im Herzhaus versucht den folgenden Gedanken gerecht zu werden: Der ganze Mensch ist zufrieden, wenn er sich wohlfühlt. Wohlfühlen ist die Grundvoraussetzung für das Lernen und Arbeiten. Schule muß eine Basis / ein Milieu für SchülerInnen und LehrerInnen schaffen, in dem sie sich wohlfühlen, um ein erfolgreiches Arbeiten überhaupt erst zu ermöglichen. Dieser Ansatz findet sich auch in den Ideen der Reggio-Pädagogik wieder, den Ausführungen des italienischen Heil- und Sonderpädagogen Malaguzzi, der sagte: Nicht das unfertige Wesen, ein zu füllender leerer Raum ist das Kind, sondern eine Persönlichkeit mit einer bereits vorhandenen Vielfalt an kreativen und phantasievollen Ausdrucksmöglichkeiten, denen in der Erziehung Raum gegeben werden muss." Nicht Nivellierung sondern Differenzierung ist das Ziel des Erziehungsprozesses." Die LehrerInnen leben viele Grundgedanken dieses Pädagogen in ihrer Arbeit mit dem Kind/SchülerIn. 80 Minuten pro Woche kommen alle SchülerInnen ins Herzhaus. Hier wird im ästhetischen Bereich von der Naturwissenschaft bis zu den schwedischen Mythen miteinander gearbeitet (Holz, Textil, Farbe, Historie). Die SchülerInnen geben die Themen vor. Es kann ein Theaterstück sein, wo Kostüme, Bühne, Rollen, .. selbst erarbeitet werden oder auch ein Projekt aus der Natur, z.B. die Wachstumsphasen von Frühlingsblühern. Wir konnten etliche sehr kreative Arbeiten von SchülerInnen sehen. Im Herzhaus befindet sich das Weiße Zimmer", ein Ruheraum für Kinder und Erwachsene. Hier kann man wieder zu sich finden nach einer Auseinandersetzung, sich nach Verletzung oder bei Erkrankung erholen, seinen Kummer abladen. Die Kinder werden von der Schulkrankenschwester oder einer LehrerIn betreut. So einen geschützten Raum gibt es in jeder schwedischen Schule. Die Krankenschwester hat für viele Kinder die Funktion einer Vertrauten, die auch vermittelt, wenn es erforderlich ist. Das weiße Zimmer ist klein liebevoll eingerichtet mit Sternenhimmel (Beleuchtung), einem Versteck und einem Kummerkasten. Die 5. Klasse besuchen 19 Kinder, wovon 4 einen speziellen Förderbedarf haben. Ein Kind ist hoch allergisch, eins hyperaktiv, eins halbseitig gelähmt, eins hat selektiven Mutismus. Alle Kinder werden überwiegend zusammen unterrichtet. Einige erhalten stundenweise Unterstützung / Begleitung im Unterricht, andere werden allein unterrichtet. Hier ist das Prinzip: Das Kind steht im Mittelpunkt und muss Hilfe erhalten - nicht das Problem / Handicap. Wichtig für die Kinder ist es folgendes zu lernen: Wir sind alle unterschiedlich und können verschiedene Sachen verschieden gut. Wir kommen manchmal aus verschiedenen Ländern. Wir sind alle vollwertige Menschen. Der Klassenraum ist wegen der gehandicapten
Kinder bewusst gestaltet: Die Arbeit der Schulen basiert auf den Grundlagen der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, die von der BRD nicht unterschrieben wurde. Auffällig, sehr beeindruckend und einprägend ist immer wieder nicht die Ausgrenzung von Problemen, sondern das Prinzip der Integration, des Miteinanders, der Vielfältigkeit und der Akzeptanz. Dies hat mich besonders im Herzhaus sehr berührt - so hätte ich mir Schule für mich und meine Kinder gewünscht. Lernen kann man nur, wenn man sich wohlfühlt.
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Bereich Kinder- und Jugendförderung Der Referent Ove Svensson ist Hochschullehrer im Fachbereich Gesundheit und Gesellschaft an der Hochschule Halmstad. Zu seinen Aufgabenbereichen zählt die Ausbildung pädagogischer Fachkräfte sowie Unterrichtung und Beratung der Regierung in der sozialen Gesetzgebung. Seit Mitte der neunziger Jahre ist er in den Forschungsbereichen Lage der Jugend auf dem Arbeitsmarkt" und Drogen- und Spielsucht bei Jugendlichen" tätig. Weiterhin gehört zu seinem Arbeitsfeld die wissenschaftliche Begleitung und Beratung von Projekten der Jugendförderung. Am Eingang seines Referates hat uns Ove Svensson einen kurzen Abriss seiner eigenen Biografie vermittelt und diese in die historische Entwicklung des schwedischen Bildungssystems gestellt. Die typische Lebensplanung eines schwedischen Arbeiterkindes nach 1945 war es, nach Durchlaufen des damaligen schwedischen Klassenbildungssystems, direkt in die Fabrik zu gehen. Die höheren Bildungswege und die Universitäten waren der Intelligenz und gutsituierten bürgerlichen Kreisen vorbehalten. Erst in den sechziger Jahren, bedingt durch den hohen Bedarf an Akademikern in der Wirtschaft, wurde durch staatliche Förderung auch Kindern aus unteren Schichten der Zugang zu Universitäten ermöglicht. Ove Svensson gehörte Ende der sechziger Jahre einer Generation von StudentInnen an, die in der Phase der Expansion der schwedischen Hochschulen ihr Studium absolvierten. In dieser Zeit kamen mit den unterschichtsorientierten StudentInnen neue Vorstellungen über eine sozialere schwedische Gesellschaft und über Chancengleichheit im Bildungssystem an die Universitäten. Durch den Bedarf der Wirtschaft an hoch spezialisierten MitarbeiterInnen und einer günstigen politischen Konstellation im Reichstag wurden dann erste Maßnahmen zur Reformierung des schwedischen Bildungssystems eingeleitet. Dieser Prozess wird in Schweden fortlaufend weitergeführt und, mit neuen Erkenntnissen ausgestattet, verbessert. Anfang der neunziger Jahre wurde das Bildungssystem mit der Einheitsschule bis zur 9. Klasse und den darauf folgenden gymnasialen Ausbildungsprogrammen neu strukturiert und inhaltlich zu dem Bildungswesen, wie es heute laut Pisa-Studie erfolgreich arbeitet, ausgestaltet. Ove Svensson hat nach dem Studium 20 Jahre als Sozialarbeiter in verschiedenen Projekten gearbeitet. Er wurde dann vom Rektor der damals neu gegründeten Uni Halmstad mit anderen KollegInnen eingeladen, die Forschungs- und Lehrtätigkeit in dem geisteswissenschaftlichen Bereich zu organisieren. Ove arbeitet mittlerweile seit 10 Jahren in diesem Bereich. Der geisteswissenschaftliche Bereich der Hochschule Halmstad hat die Reformierung des schwedischen Bildungswesens in den neunziger Jahren wissenschaftlich begleitet und wird auch heute noch vom Reichstag und dem Zentralamt für Schule und Erwachsenenbildung zur Beratung herangezogen. Zur Zeit liegt der Schwerpunkt der Forschung in dem Bereich der Jugendarbeitslosigkeit und in der wissenschaftlicher Begleitung von Projekten, in denen die Jugendlichen betreut werden, die den Schulabschluss für das nationale Ausbildungsprogramm an den Gymnasien nicht schaffen. Dies sind in Schweden ca. 10% der SchülerInnen. Auf Nachfrage der TeilnehmerInnen, welche weiteren Merkmale die Jugendlichen aus den Projekten aufweisen, erläuterte Ove Svensson, dass mehrheitlich Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund in diesen Projekten arbeiten und lernen. Die Uni Halmstad hat 24 EU - Projekte in Schweden begleitet, die versucht haben Formen zu finden, wie der Übergang zwischen Ausbildung und Arbeitsleben erleichtert werden kann.
1) Frühe Intervention 2) Übungsfirmen 3) Projekte, die mit Firmen vernetzt sind 4) Aufstellen von individuellen Zukunftspläne 5) Projekte, in denen den Jugendlichen über
"Asyl" aufgefangen werden Bei der Frühen Intervention ist man schon in den 8. Klassen auf SchülerInnen zugegangen, bei denen sich abzeichnete, dass sie die Anforderungen in Mathematik, Schwedisch und Englisch bis zum Abschluss nicht schaffen würden. Diese Jugendlichen wurden in Betriebe integriert und haben eine schulische Begleitung erhalten. In den Betrieben erhielten sie eine handwerkliche Qualifizierung und hatten die Möglichkeit, in 1 bis 1 1/2 Jahren den Schulabschluss der Grundschule zu erreichen. Danach konnten sie wieder am nationalen Schulprogramm (Gymnasium) teilnehmen. Beim ersten Anlauf sind fast 100% dieser Jugendlichen an den Gymnasien gescheitert. Auf der Grundlage von Befragungen und wissenschaftlichen Erhebungen hat die Forschungsstelle an der Uni herausgefunden, dass sie sich ihre Schule nach ihren Interessen ausgesucht hatten und dabei eine zu hohe Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten hatten. Außerdem ergab die wissenschaftliche Begleitung, dass ein großer Teil dieser Jugendlichen Defizite in der Feinmotorik aufwiesen, so dass sie in den selbst ausgewählten Schulbereichen überfordert waren. Beim zweiten Anlauf wechselten dieselben Jugendlichen dann nach intensiver Beratung in Schulbereiche, die auf Grundlage der Feststellung ihrer Fähigkeiten ausgesucht wurden. Hier haben die meisten die 3 -jährige Gymnasialstufe mit Erfolg abgeschlossen. Übungsfirmen: In mehrere Projekten hat man versucht, die Inhalte des Individuellen Programms und der nationalen Programme der Gymnasialen Oberstufe mit dem Arbeitsleben zu vereinen. Die Übungsfirmen sind kaufmännisch bzw. handwerklich orientiert und arbeiten marktorientiert im Dienstleistungsbereich. Die Jugendlichen in diesem Bereich sollen in erster Linie befähigt werden, am nationalen Ausbildungsprogramm teilzunehmen. Viele dieser Projekte sind direkt an die Gymnasien angegliedert. Die dritte Alternative sind Projekte, wo der Arbeitsplatz Schule wird. Hier ist Schule in die Betriebe gegangen und hat dort die Erfahrungen des Arbeitslebens ausgenützt, statt Übungsfirmen in der Schule zu schaffen. Durch dieses Konzept soll arbeitslosen Jugendlichen der Weg in die Betriebe erleichtert werden. In der vierten Kategorie finden sich Projekte, innerhalb derer gesellschaftliche Ressourcen für Jugendliche gesammelt und Individuelle Programme aufgestellt werden. Sie wenden sich hauptsächlich an Jugendliche, deren persönliche und soziale Probleme sich schon verfestigt haben. Ziele dieser Projekte sind unter anderem der Aufbau sozialer Kompetenzen und der Selbstsicherheit sowie die Veränderung von Lebensgewohnheiten. In den Projekten, in denen Jugendlichen Asyl gewährt wird, finden sich TeilnehmerInnen, die nicht mehr auf die Gymnasialstufe gehen wollen, sondern sich mit Jobs über Wasser halten und immer wieder zeitweise arbeitslos sind. Diese Projekte sollen den Jugendlichen helfen, geeignete Dauerarbeitsplätze zu finden und damit vermeiden, dass sie in die Arbeitslosigkeit mit Verlust einer Tagesstrukturierung abgleiten. Das Ziel dieser Schleifenprojekte ist es, die 10 % -ige Rate von Jugendlichen, die den Abschluss nach der 9. Klasse nicht erreichen, deutlich zu senken bzw. ihnen eine Eingliederung in die Arbeitswelt ohne Abschluss zu ermöglichen. Die Untersuchungen dieser Projekte durch die Universität ergab, dass viele Maßnahmen sich an den Bedürfnissen von jungen Männer orientieren, obwohl die Hälfte der 10%, die keinen Abschluss erreichen, junge Frauen sind. Der Grund für die bisherige Jungenorientierung wird in direktem Zusammenhang damit gesehen, dass arbeitslose Jungen zu einem sozialen Problem werden, wogegen die Arbeitslosigkeit bei Mädchen als persönliches Dilemma betrachtet wird, das jedoch sozial unproblematisch bleibt. Diese Erkenntnis führte dazu, dass nun eine größere Mädchenorientierung in den Projekten stattfinden soll. Auf Nachfrage erläuterte Ove, dass bei den Aussteigern aus dem nationalen Bildungsprogramm mehrheitlich Schwarzafrikaner und Einwanderer aus Osteuropa anzutreffen sind. Die Überprüfung der verschiedenen Maßnahmen hat ergeben, dass die Bandbreite der Projekte benötigt wird, um die in Schweden lebenden Jugendlichen für den Eintritt in das Arbeitsleben zu qualifizieren. Das schwedische System der schulischen Berufsausbildung macht SchulabbrecherInnen den Eintritt in das Wirtschaftsleben besonders schwer, obwohl der hohe Anteil an Studierenden sowie der gleichzeitige Rückgang der Geburtenrate einen Arbeitskräftemangel in den Betrieben verursacht. Etwa 75% der jungen Schweden haben sich erst im Alter von 27 Jahren im Berufsleben etabliert. Dies führt natürlich auch zu einer sehr späten Familienplanung, da für die jungen Menschen erst dann die Möglichkeit gegeben ist, die Bereiche Wohnen, Arbeiten und Geld verdienen langfristig für sich zu sichern. Die Forschungsgruppe der Uni hat sich in letzter
Zeit diesem Thema gewidmet und versuchte zunächst festzustellen, ob es Kategorien gibt,
nach denen sich die schwedischen Jugendlichen in ihrer Lebensplanung einordnen lassen.
Das Ziel der weiteren Forschung soll es sein das Bildungsbedürfnis mit den Anforderungen der schwedischen Wirtschaft in relative Übereinstimmung zu bringen. Eine abschließende Frage unserer Gruppe an Ove Svensson bezog sich auf die Zusammenarbeit zwischen der Schule und dem staatlichen Sozialdienst. Nach Oves Ausführungen ist diese Zusammenarbeit gesetzlich in § 71 vorgeschrieben. Dieser besagt, dass Schule die Verpflichtung hat, Auffälligkeiten bei SchülerInnen oder in den Familien wie sexueller Missbrauch, Drogen- oder Alkoholabhängigkeit, Nichtversorgung der Kinder oder Misshandlung dem Sozialdienst zu melden. Wenn die Schule der Pflicht einen Vorfall zu melden nicht nachkommt, kann die RektorIn oder betreffende LehrerIn mit einer Geld- oder in schweren Fällen auch mit einer Gefängnisstrafe belangt werden. Bei Meldung ist der Sozialdienst verpflichtet, eine Untersuchung einzuleiten. SozialarbeiterInnen können mit Gefängnis bestraft werden, wenn sie in Verdachtsfällen von Missbrauch oder Kindesmisshandlung keine Untersuchung veranlassen. Der Sozialdienst darf aber keine Erkenntnisse aus der sozialen Untersuchung an die Schule weitergeben. Eine begleitende Forschung der Uni hat ergeben, dass bei rechtzeitiger Zusammenarbeit die Probleme zielgerichteter und erfolgreicher angegangen und behoben werden konnten. Die Aufgabenbereiche der beiden Systeme sind gesetzlich geregelt. Die Schule ist für die sozialen Belange in der Schule und den Freizeiteinrichtungen zuständig. Der Sozialdienst hat die Aufgabe und Verpflichtung, alle Belange und Hilfen außerhalb der Schule zu beachten und zu organisieren. LehrerInnen und RektorInnen sind verpflichtet, an Hilfekonferenzen des Sozialdienstes teilzunehmen und dort alle Aspekte bezüglich der SchülerIn zu offenbaren. Auf eine Schweigepflicht kann sich nur die an den Schulen tätige Krankenschwester berufen.
Holger Rexin
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| Das Pädagogische Ressourcenzentrum Das Pädagogische Ressourcenzentrum (PRC) hat seine Tätigkeit in Halmstadt 1995 aufgenommen und ist für alle Kinder im Alter von 1 bis 16 Jahren zuständig. Wir leisten, was andere Pädagogen nicht erarbeiten", in diesem Sinne ist die Arbeit des PRC einmalig in Halmstadt und beispiellos für Schweden. Am Anfang stellte das Zentrum die Ressource Geld" für das diagnostizierte Kind direkt den Eltern und / oder den PädagogInnen zur Verfügung, um ein Kind individuell zu fördern und im Alltag zu unterstützen. Die Arbeit des PRC hat sich in den vergangenen sieben Jahren stetig verändert und wandelte sich von der direkten Ressourcengabe über die aktuelle Betreuung, Untersuchung, Beratung und Fortbildung aller am Lern- und Erziehungsprozess beteiligten Personen bis zu dem zukünftigen Forum for Kunskap om Laremde" (dem Forum für das Wissen vom Lernen bzw. wie man das Wissen vermittelt). Das Ressourcenzentrum verfügt derzeit über etwa 80 Angestellte, wobei 20 Personen inklusive der drei LeiterInnen in der Verwaltung tätig sind und 65 Personen vor Ort in den Schulen, Einrichtungen und im direkten Lebensumfeld der Kinder flexibel nach den individuellen Bedarfen der Kinder, PädagogInnen und Eltern arbeiten. Im Laufe der Jahre ist die Stärkung der pädagogischen Kompetenzen aller am Lern- und Erziehungsprozess Beteiligten in den Vordergrund gerückt: Wir lösen nicht die Probleme, wir helfen bei der Lösung der Probleme". Das Zentrum verfügt über verschiedene Einrichtungen: Die Zentrale für Lernmittel Arbeitsbereich Einwanderer- und Asylantenkinder Muttersprachlicher Unterricht als Grundrecht für Kinder fremdländischer Familien. Aktuell werden Kinder und Jugendliche aus Familien unterschiedlicher Nationalität in 18 verschiedenen Sprachen nachmittags ein- bis zweimal wöchentlich muttersprachlich unterrichtet. Unterstützende Angebote für Kinder mit Lernproblemen und behinderte Kinder
Das Ziel der drei sonderpädagogischen Einrichtungen des PRC ist die Reintegration der SchülerInnen in den Unterricht und in die Heimatschule" durch eine zeitlich begrenzte individuelle Förderung in den Sondereinrichtungen. Das PRC verfügt neben dem Personal für die genannten Einrichtungen über Lehrkräfte, die flexibel vor Ort in den Schulen, Kliniken und Einrichtungen aufsuchend und unterstützend tätig sind: Unterricht im Krankenhaus
Einsatz sonderpädagogischer Fachkräfte
Ökologieprojekte
Das Kind soll in seinem Nahmilieu bleiben und
dort individuell unterstützt
Die vier Grundpfeiler des PRC
Konsultation Anleitung Gutachten/Diagnostik Fortbildung
Die Grundlagen der Arbeit des PRC liegen in den
staatlichen Beschlüssen des schwedischen Reichstages, in den Schulgesetzen, den
Lehrplänen und den Kursplänen.
Karen Beermann
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Berufsvorbereitung in der Östergårdsskolan Die Östergårdsskolan ist die größte Högstadium (Sek I Zentrum) in Halmstad. In diesem Sek I Zentrum gehen 600 SchülerInnen ihrer Schulpflicht nach. An der Östergårdsskolan arbeiten 80 Lehrkräfte.Der hier zuständige Schulleiter ist für zwei Schulen und die umliegenden Kinderhorte verantwortlich. Er verwaltet jährlich 45 Millionen SKr (ca. 5 Mio. Euro), beschäftigt 170 Lehrkräfte und ist insgesamt für 800 SchülerInnen zuständig. Der Übergang von der Sek I in die Sek II
erfolgt durch eine speziell ausgebildete Berufs- und Studienbegleiterin. Diese erstellt
mit den SchülerInnen aus den Im ersten Halbjahr der 8. Klasse machen alle SchülerInnen ein zweiwöchiges Berufspraktikum. Die Praktikumstelle müssen sie sich selber suchen. Das Berufspraktikum dient zur Orientierung im praktischen Arbeitsleben, soll aber auch das eigene Vertrauen stärken und das Selbstbewusstsein aufbauen. Im zweiten Halbjahr der 8. Klasse wird die Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt. Jungen und Mädchen werden voneinander getrennt. Durch die Trennung haben die SchülerInnen die Möglichkeit, frei zu reden und ihre Wünsche und Vorstellungen in einer kleinen Runde anzusprechen. Im Anschluss findet ein erstes Einzelgespräch zwischen der SchülerIn und der Berufs- und StudienberaterIn statt. Es ist ein Eingangsgespräch nach einem 5 Stufenplan.
Stufe 1 Die Problemsituation analysieren und verdeutlichen Stufe 2 Perspektive erweitern Stufe 3 Ziele und Teilziele formulieren Stufe 4 Handlungsplan abfassen und durchführen Stufe 5 Auswerten und weiterbehandeln Ziel der Berufsvorbereitung ist es, dass die SchülerInnen für die in der Gymnasiale Oberstufe zu Verfügung stehenden 17 Studiengänge die richtige Wahl treffen. Sie soll die Selbstreflexion (Wer bin ich? Was sind meine Interessen und nicht die meiner Freunde? Woher kommen meine Interessen?) anregen und die SchülerInnen in der Lage versetzen, selbst Entscheidungen zu treffen, denn eine falsche Entscheidung birgt viele Gefahren für die weitere schulische Entwicklung und kann bis zur Schulverweigerung führen. Den SchülerInnen wird umfangreiches Informationsmaterial über die zur Wahl stehenden Ausbildungsgänge zur Verfügung gestellt, hierbei werden die verschiedensten Medien eingesetzt. Es wird ein Handlungsplan erstellt, der insbesondere die Fragestellung berücksichtigt, was sich die SchülerInnen zutrauen, um ihr Ziel zu erreichen. Ist der Plan erstellt, folgt eine größere Gesprächsrunde, in der die SchülerIn, die Eltern, die KlassenlehrerIn und die Berufs - und StudienberaterIn ihr Einverständnis über den erarbeiteten Handlungsplan herstellen. Er beinhaltet die Zusammenstellung der individuellen Fächerkombination und der Praktikumswahl. Der Plan wird bis in die 9. Klasse fortgeführt. Der erreichte Abschluss nach der 9. Klasse und das erlangte Wissen muss ausreichen, um konkurrenzfähig zu sein. Die Östergårdsskolan arbeitet mit 8 Partnerfirmen zusammen, die den SchülerInnen in enger Zusammenarbeit mit der Schule Berufspraktikumsplätze bieten. Den LehrerInnen kommt diese Zusammenarbeit auch für ihren Schulunterricht zugute. Die leichter herzustellende Verbindung zur Praxis kann auf einen Teil der SchülerInnen motivierend wirken, etwa wenn zum Beispiel Fragen zur Strichkodierung im Lebensmittelmarkt praktisch bearbeitet werden. Das zweiwöchige Betriebspraktikum, dass in der 8. Klasse stattfindet, wird von der KlassenlehrerIn begleitet. Das Betriebspraktikum, das im Handlungsplan aufgeführt ist, wird von der Berufs- und Studienberaterin begleitet.
Die Östergårdsskolan hat 3 Leitgedanken zum Leben an ihrer Schule Geborgenheit - Wohlfühlen - Fröhlichkeit
Die Berufs - und StudienberaterIn arbeitet mit einem 5 Stufenplan. Ziel der Berufsvorbereitung: Sie soll die Selbstreflexion (Wer bin ich? Was sind meine Interessen und nicht die meiner Freunde? Woher kommen meine Interessen?) anregen und die SchülerInnen in der Lage versetzen, selbst Entscheidungen zu treffen, denn eine falsche Entscheidung birgt viele die Gefahren für die weitere schulische Entwicklung und kann bis zur Schulverweigerung führen. Die Leitgedanken sind: Geborgenheit - Wohlfühlen - Fröhlichkeit Die Östergårdsskolan arbeitet mit 8 Partnerfirmen zusammen, die den SchülerInnen in enger Zusammenarbeit mit der Schule Berufspraktikumsplätze bieten und bereit sind den SchülerInnen anzubieten, aus Beispielen an der Praxis zu lernen. Matthias Ohle
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Vorstellung des
Projektes Brobyggarna (Brückenbau") Die MitarbeiterInnen des Projektes Fyren (Leuchturm") unterstützen Jugendliche in kritischen Situationen - etwa am Wochenende - sowohl bei Alkoholproblemen als auch bei Problemen mit anderen Drogen. Der Besitz oder Konsum der in Deutschland sogenannten weichen wie harten illegalen Drogen ist auch in Schweden verboten. Die MitarbeiterInnen des Projektes Fyren arbeiten eng mit verschiedenen Ämtern zusammen und koordinieren die Unterstützung für die Jugendlichen. Die Zusammenarbeit erstreckt sich auf die Polizei, das Jugendamt, die Kulturbehörde, die Schulbehörde usw. Das Motto von Team Fyren ist: (Be-) raten, stützen, helfen. In Halmstad gibt es etwa 9000 Kinder und Jugendliche, auf die sich die Arbeit bezieht. Die Aktivitäten des Projekts Brobyggarna, sind mit den Bremer Präventionsräten vergleichbar. 1,5 Angestellte in der Zentrale der Verwaltungsspitzen steuern die Entwicklung und setzen Prioritäten. Sie schaffen auch die Voraussetzungen für das Projekt, das weiter unten beschrieben ist. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Kinder und Jugendlichen. Es gibt einen Haushalt von 1 Million SKr (etwa 109.000 Euro ) für die gesamte Kommune. Es gibt insgesamt 40 Gruppen in der Kommune
Halmstad. Die direkt vor Ort Arbeitenden kooperieren mit Polizei, Schulen, Eltern und
Vereinen. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt in der vorbeugenden Arbeit. Jugendliche,
die bereits als kriminell oder drogenabhängig auffällig geworden sind, werden von
anderen Institutionen und Personen unterstützt. Auch mit Eltern arbeiten Andere. des Projektes Brobyggarna Das Freizeitheim von Vallås wird von Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 16 Jahren besucht. Es werden vielfältige Angebote gemacht die mit einem Ausweis, der 60 SKr (etwa 6 Euro ) kostet, in Anspruch genommen werden können. Der Ausweis ist für alle Freizeitheime Halmstads gültig. Durch den Ausweis sind den SozialpädagogInnen Name und Wohnort der BesucherInnen bekannt, dies erscheint wichtig, da die Freizeitheime auch von Jugendlichen aus sehr problematischen Wohngebieten besucht werden. Das Angebot des besuchten Heimes reicht von Tischtennis über Dart, Übungsmöglichkeiten für eine Band, Benutzung der Computer, die ans Internet angeschlossen sind, bis zu einer Mädchengruppe und einer Hipp - Hopp Gruppe von Jungen. Auch die AnwohnerInnen können die Computer nach Voranmeldung benutzen. Alkohol und Zigaretten sind nicht erlaubt, sie werden vor dem Freizeitheim konsumiert. Der Verantwortungsbereich der MitarbeiterInnen endet jedoch nicht vor der Haustür, werden zum Beispiel sehr junge (10 - 12 jährige) BesucherInnen beim Konsum von Alkohol oder Zigaretten gesehen, werden die Eltern informiert. Das Freizeitheim ist montags bis freitags von 16 - 23 Uhr, von September bis Mai auch Samstags von 14 - 21 Uhr geöffnet. Wird eine Jugenddisko angeboten, ist es von 16 - 24 Uhr geöffnet. Das Freizeitheim wird zu ca. 70% von Jungen und zu ca. 30% von Mädchen besucht. Im Sommer wird für Kinder von 10 bis 12 Jahren ein Sommercamp angeboten. Die Kosten für die Teilnahme am Camp betragen für eine Woche 100 SKr (ca. 11 Euro ), nehmen die TeilnehmerInnen zwei Wochen teil, kostet dieses 150 SKr (ca.16,50 Euro ). Aktuell gibt es verstärkt Probleme mit jungen Kosovo - Albanern, die aufgrund ihres kulturellen Hintergrundes Schwierigkeiten mit manchen Normen haben. Für 5 besonders problematische Jungen wird in Zusammenarbeit mit dem Militär eine Art Survival Training organisiert. Es ist zu beobachten, dass diese schwierigen Jungs insgesamt wenig Selbstvertrauen haben. Einmal im Jahr gibt es die Vallås-Tage", an denen die verschiedenen Gruppen des Hauses zeigen, was sie machen. Im September findet eine Kulturnacht statt. Außerdem wird mit vier Gruppen eine Zukunftswerkstatt durchgeführt. In Halmstad sind sehr wenig Jugendliche von Fremdplazierung oder betreutem Wohnen betroffen. Statt dessen werden die Eltern stark in die präventive Arbeit einbezogen, ebenso die Schule, an der mindestens eine MitarbeiterIn des Freizeitheimes mit einem Teil ihrer Stunden arbeitet. Schul- und Freizeitbereich sind also eng miteinander verzahnt. Einmal im Jahr findet ein Milieu -Tag" statt, an dem Eltern, SchülerInnen und AnwohnerInnen den Stadtteil zusammen aufräumen". Herumliegender Abfall wird gesammelt, die Rasenflächen gemäht, Graffitis dagegen werden sofort wenn sie bemerkt werden entfernt. Es kommt dann, so berichtet der Freizeitheimpädagoge, seltener / nicht zu Folgeschmierereien. SchülerInnen, die am Millieu - Tag teilnehmen, bekommen einen Tag schulfrei. Im Stadtteil hat die Zahl der Arbeitslosen
zugenommen. Obwohl in Halmstad mit ca. 4% Arbeitslosen Vollbeschäftigung herrscht, steigt
die Zahl der Scheidungsfamilien und die Gelder für die Freizeitaktivitäten des
Freizeitheim wurden gekürzt. Alle zwei Jahre findet ein Treffen der
FreizheitheimleiterInnen von Halland statt. In Vallåsgården selber arbeiten drei
MitarbeiterInnen mit 100% und zwei mit 25% ihrer Stelle, die restliche
Arbeitszeit (75%) arbeiten diese in der Schule.
Peter Hegeler |
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Die Zusammenarbeit zwischen Schule, Sozialverwaltung und Polizei Der Rektor der Vallås-Schule" ist für die 500 SchülerInnen und 50 LehrerInnen zuständig. Zu seinem Rektoratsbezirk gehören 3 Schulen und mehrere Vorschule mit insgesamt 890 Kindern und 90 Erwachsenen. Die Vallås-Schule nimmt an einem Commenius-Projekt" teil, in dem unter anderem die Rolle der Schulkuratorin untersucht wird. Die anwesende Kuratorin ist Sozialarbeiterin.Für jeden Ortsteil ist eine KontaktpolizistIn zuständig. Sie bekommt einen Teil ihrer Aufgaben über Fax und Telefon durch den Rektor zugetragen und leitet die Dinge dann weiter, hat also eine koordinierende Funktion. Insgesamt sind 656 Jugendliche auffällig geworden, davon 122 Mädchen, 16 durch Drogenmissbrauch. Es gibt bei der Polizei 4 Personen, die sich speziell um Drogenmissbrauch kümmern. Zielgruppe für alle Aktivitäten der Polizei sind die 15-18 jährigen. 56% der Jugendlichen sind bis zur Klasse 9 irgendwann einmal auffällig geworden. Die Entwicklung bahnt sich oft an, sie kommt nicht unvermittelt. Speziell im Feld des problematischen Drogengebrauches spielt Gruppendruck oft eine entscheidende Rolle. Es besteht auch ein Zusammenhang zwischen der Kriminalitätsentwicklung, Mobbing und Gruppendruck. Die Strafmündigkeit beginnt in Schweden mit 15 Jahren, diese bezieht sich jedoch nur auf bestimmte Delikte. So kann eine Jugendliche z. B. für Mord erst mit Erreichen der Volljährigkeit vor Gericht gestellt werden. Werden von der Schule oder von Geschäften Vorfälle gemeldet, so werden Eltern und Schule zu einem Gespräch eingeladen. Wird eine Jugendliche unter 15 Jahren verhört, werden die SozialarbeiterInnen und / oder die Eltern dazu eingeladen. Solche Verhöre haben keine weiteren Folgen. Bei Drogenverdacht kann ab 15 Jahren zwangsweise eine Blut- oder Urinprobe vorgenommen werden. Bei nachgewiesenem Besitz oder Konsum illegaler Drogen ergeht eine Meldung an das Sozialamt. Die meisten Meldungen erfolgen im Zusammenhang mit Cannabis. Innerhalb von 14 Tagen findet dann ein Gespräch mit Familie und SozialarbeiterIn statt. Die Polizei kann entscheiden, ob die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben wird. Das Sozialamt ist, wie oben erwähnt, bei den Verhören anwesend. Wird Hilfsbedürftigkeit festgestellt, kann das Hilfsangebot von den Betroffenen abgelehnt werden. Bevor es zu Zwangsmaßnahmen kommt wird zunächst lange versucht, über Gespräche korrigierend einzugreifen. Die Vorgeschichte wird zuvor ausgiebig erörtert. Es kann verabredet werden 20 bis 100 Stunden z.B. in einem Sozialen Trainingskurs, dessen Inhalten denen unserer Sozialen Trainingskurse vergleichbar sind, abzuleisten. Bei Annahme eines solchen Angebotes durch die Betroffene ergeht ein gemeinsamer Beschluss an das Gericht, bei Ablehnung oder Abbruch wird es informiert. Die SozialarbeiterIn bei der Polizei fördert die Zusammenarbeit mit Schule und Sozialamt sehr, der Informationsfluss über Einzelpersonen geht von der Polizei an das Sozialamt, nicht umgekehrt. Die Schulkuratorin berichtet über ihre Arbeit, dass sie Ratgeberin für Eltern, Kinder und LehrerInnen ist. Sie betont, dass für sie Wissen die Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist und das Wissen nur in einer günstigen Umgebung erworben werden kann. Fällt der KlassenlehrerIn eine SchülerIn auf, schaltet sie ein Team ein, in dem die Kuratorin, SpeziallehrerInnen, SozialarbeiterInnen und bei Bedarf andere Personen versammelt sind. Diese beraten die KlassenlehrerIn und entwickeln einen Plan (Hilfeplan). Die Hilfe kann in Förder- oder Kleingruppenunterricht, einem Praktikum oder Ähnlichem bestehen. Einige Kinder brauchen mehr Unterstützung. Bei den Immigranten sind es besonders die Kinder über 10 Jahre. Der Kontakt zu den Eltern wird betont. Er findet auch durch die halbjährlichen Entwicklungsgespräche statt, zu denen die Eltern in die Schule kommen. Erscheinen die Eltern zu diesen Gesprächen nicht, wird sanfter Druck durch häufiges Anrufen ausgeübt. Kommt es in Zusammenhang mit dem Schulbesuch zu Regelverstößen, werden in der Regel als erstes die Eltern informiert. In der Schule wurden die Eltern nach
verbindlichen Wert- und Normvorstellungen befragt, die in der Schule gelten sollen. 70%
haben geantwortet. Sicherheit, Respekt und Freude am Lernen wurden als die wichtigsten
Werte benannt. Den LehrerInnen liegt zu den Themen Werte und Normen" sowie für die Diskussion um Grenzen in Leitfaden vor, sie werden zu diesem Thema jedoch auch fortgebildet. Um Mobbing an der Schule vorzubeugen haben vier LehrerInnen die Aufgabe, das Personal zum Thema zu informieren und es aus- bzw. fortzubilden oder bei Vorfällen einzugreifen. In jeder Klasse werden zwei SchülerInnen gewählt, möglichst ein Junge und ein Mädchen, die in den Pausen besonders auf MitschülerInnen achten, denen es offensichtlich nicht gut geht. Sie sehen oft Dinge, die LehrerInnen nicht sehen können. Wer Unterstützung braucht, kann sich aber auch bei ihnen melden. Sie haben sich in einer gemeinsamen Fortbildung auf diese Aufgabe vorbereitet. Sie treffen sich regelmäßig. Wenn sie von sexueller Belästigung oder Misshandlung erfahren, wird der Sozialdienst eingeschaltet. Am Ende jedes Schultags wird von der KlassenlehrerIn überprüft, ob SchülerInnen an bestimmten Stunden nicht teilgenommen haben. Sie informiert gegebenenfalls die Eltern über dieses schulvermeidende Verhalten - etabliert es sich weiterhin, ergeht eine Meldung an das Sozialamt. Bei MigrantInnen rät die Erfahrung, dass möglichst mit dem Vater gesprochen und an seine Verantwortung appelliert wird. Bei kurzfristigen Versäumnissen spricht die LehrerIn die Betroffene direkt an und gibt ihr das Material der versäumten Unterrichtsstunden. Eine zentrale Erfassung der Fehlzeiten ist nicht zu finanzieren.
Das zentrale Motto der Unterstützungsangebote läßt sich etwa
so zusammenfassen: was kann ich für dich tun - viele Male?
Peter Hegeler
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Resümee - Andrea Mann Die mir wichtigen Erfahrungen während des Schwedenbesuchs lassen sich
in drei Punkten zusammenfassen. Alle Punkte charakterisieren für mich das schwedischen
Schulsystem und ich würde sie gerne bei der Weiterentwicklung des Bremer Schulangebots
insbesondere für Problemjugendliche" berücksichtigt sehen. Das Kind steht im Mittelpunkt" ist der Leitsatz, mit dem die von uns besuchten Einrichtungen und die Behörde arbeiten. Werden in der Schule bei Jugendlichen Problemen sichtbar, wird so flexibel wie möglich auf die individuelle Bedarfslage des Kindes / der Jugendlichen reagiert und nach Lösungswegen gesucht -zumindest bezogen auf einen bestimmten Rahmen der Auffälligkeit. Mich hat beeindruckt, dass die LehrerInnen diesen Leitsatz zu leben schienen und ihn nicht als von außen aufgetragenen und abzuarbeitenden Auftrag sahen. Ich gehe davon aus, dass es nur dann gelingt, SchülerInnen das
Du bist mir wichtig" zu vermitteln, wenn es der eigenen inneren Haltung der
Lehrkraft gegenüber der SchülerIn auch tatsächlich entspricht. Dieses Gefühl, mit dem
ich gleichzeitig ein Willkommensein, Anerkanntsein und als Ergebnis ein Gerne zur
Schule gehen" auf Seiten der SchülerIn verbinde, wird nicht durch bestimmte
Lehrmethoden (z.B. didaktisch hochwertige Schulbücher, bestimmtes Maß an
Freizeitaktivitäten usw.) vermittelt, sondern durch die Art, wie die LehrerIn auf die
SchülerIn zugeht und mit ihr umgeht in allen Situationen, die sich im Schulalltag
ergeben. Aufgefallen ist mir in Schweden, dass das methodische Vorgehen z.B. bei der
Berufsvorbereitung große Ähnlichkeit zeigt mit dem vieler Schulen und Maßnahmeträgern
in Bremen auch. Von daher scheint es wenig Sinn zu machen, schwedische Methoden
abzugucken. Wir müssen uns an der Haltung orientieren. Ich glaube, dass es nur
dann auch hier in Bremen vergleichbare Ergebnisse geben kann, wenn die Lehrkräfte und
alle anderen Personen, die hier mit (Problem-) SchülerInnen arbeiten, darüber
reflektieren, in welchen Maße sie tatsächlich das Leben und Wohlergehen jeder einzelnen
SchülerIn interessiert, wieweit sie bereit sind, sich zu engagieren und was sie selber
dafür als (z.B. strukturelle) Unterstützung brauchen. 2. Räumlichkeiten und Anwesenheitszeiten der LehrerInnen als notwendige Rahmenbedingungen Für flexible, mannigfaltige und z.T. auch spontane Angebote als
Reaktion auf vorliegende Probleme von Jugendlichen aber auch zur Verwirklichung von
vielfältigen didaktischen Ideen braucht man die entsprechenden Rahmenbedingungen.
Trennung einer Großgruppe, Einzelarbeit, methodisch unterschiedliche Bearbeitung eines
Themas (z.B. durch Schreiben, Malen, PC usw. ) sind nur möglich, wenn die entsprechenden
Räume und Materialien vorhanden sind. Ebenso ermöglicht mehr Personal die Umsetzung von
Differenzierung durch Gruppentrennungen, spontane Spaziergänge usw. Dem Engagement und
Veränderungswillen der Lehrkräfte sind Grenzen gesetzt, wenn nicht strukturell
entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden. Der oben genannte Leitsatz kann meines Erachtens noch durch einen weiteren, eher atmosphärisch wirkenden, ergänzt werden:
Den Verhaltensspielraum, der von den Mitgliedern des schwedischen
Schul- und Jugendförderungssystems zielbestimmend für Jugendliche vorgesehen ist, finde
ich sehr eng. Die Werte Kernfamilie, Drogenfreiheit, Bildungsehrgeiz stehen als Maßstab
für eine gute Entwicklung einer Jugendlichen. Auf dieses Ziel hin wird sehr engagiert und
fantasievoll von den Professionellen mit den Kindern Bedenkenswert erschien mir die Intoleranz, mit der die betreffenden Institutionen
anscheinend auf das Abweichen von diesen Werten reagieren. Eine Diskussion, ob Jugendliche
sich auch ausprobieren und rebellieren dürfen, kam mir zu kurz bzw. bin ich mir nicht
sicher, ob sie tatsächlich außenwirksam geführt wird. Es bleibt bei mir der Eindruck,
dass Jugendliche, wenn sie ein Leben neben den Maßstäben" wählen, mit
heftiger Stigmatisierung (z.B. für deutsche Verhältnisse schnelles Beurteilen als
drogenabhängig, Einweisung in Psychiatrie bei erfolglosen Rückführungsversuchen auf den
Wertekanon) und einem im Vergleich zu Deutschland härterem Abbruch der Unterstützung zu
tun bekommen. Andrea Mann zurück zur Textauswahl |
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In wie weit ein verstecktes Statusdenken in den Köpfen der Leute herrscht, kann ich nach einem kurzen Besuch nicht entscheiden. Ein solches Modell erscheint aber dennoch lohnenswert, um nachgeahmt zu werden. Wichtig erscheint mir dabei, dass man sich bei uns darüber Gedanken macht, dass es auf keinen Fall damit getan ist, alle SchülerInnen in die gleiche Schule zu schicken, denn die SchülerInnen sind nicht gleich, aber gleichwertig. Für mich ist es wichtig, dass die individuelle Förderung und das maximale Fördern der Leistungen durch eine falsch verstandene Gleichmacherei nicht verhindert wird. Der Leistungsgedanke sollte meiner Meinung nach wieder mehr in den Vordergrund gestellt werden. Es muss in" sein, Leistung zu erbringen. Leistung muss anerkannt und gewürdigt werden. Leistung sollte aber nicht in höher- und minderwertige Leistungskategorien aufgeteilt werden. SchülerInnen sollen Leistung nach ihren individuellen Möglichkeiten entfalten zu können Durch Berufstätigkeit und häufige Trennung der Eltern erhalten Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft oft zu wenig Zuwendung und genießen kein ausreichendes Maß an Erziehung. Sie zeigen deutliche Zeichen von Verwahrlosung. Dies scheint mir einer der Hauptgründe für die wachsende Zahl von SchulmeiderInnen - insbesondere in Großstädten - zu sein. Eine Schule der Zukunft wird gezwungen werden, in verstärktem Maße soziale Schlüsselqualifikationen zu vermitteln. In Schweden ist u.a. die Zusammenarbeit von Bildung und Soziales viel stärker
ausgeprägt. Dies soll auch bei uns eine Forderung sein, um die erwähnten Probleme besser
und schneller angehen zu können. Marita Gores
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Die Studienfahrt hatte den Schwerpunkt "Schulvermeidung im Alltag von Jugendlichen". Während des gesamten Aufenthaltes war dies jedoch kein eigenständiges Thema für einen Besuch oder ein Gespräch mit den schwedischen KooperationspartnerInnen. Über den Einblick in das schwedische Schulsystem und die Gespräche darüber, wie schulisches Lernen verstanden und organisiert wird, erfuhren wir jedoch trotzdem sehr viel zum Thema. Ausserordentlich beeindruckt hat mich die Selbstverständlichkeit, mit der die LehrerInnen und SchulleiterInnen, die wir kennenlernten, das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellten. Wir erfuhren "Die Kinder sollen sich wohl fühlen in der Schule, weil nur so effizientes Lernen möglich ist". Etwas von diesem Geist und Gedanken habe ich bei den Besuchen in den Schulen, bei den Gesprächen mit den Lehrkräften und SchülerInnen auch wahrgenommen. Für LehrerInnen in Schweden ist es offensichtlich selbstverständlich, nicht nur den Bereich Wissensvermittlung zu berücksichtigen, sondern im Sinne des Kindeswohls auch sozialpädagogische Aufgaben im Blick zu haben und zu übernehmen. So gibt es beispielsweise auch in Halmstad Kinder, deren Eltern sich nicht im erforderlichen Maße um die Essensversorgung ihrer Kinder kümmern und diese ohne Frühstück und Zwischenmahlzeit für die Pause in den Unterricht schicken. (Übrigens ein Thema, mit dem bei uns die MitarbeiterInnen der sozialen Dienste nicht selten durch Schule konfrontiert und zum Handeln aufgefordert werden). Wir erfuhren, dass in Halmstad LehrerInnen die Dinge selbst in die Hand nehmen, den Kindern das benötigte Essen zur Verfügung stellen und im zweiten Schritt den Kontakt zu den Eltern aufnehmen, um auf Änderungen hin zu wirken. In diesem Zusammenhang kommt der Ganztagsschule, wie wir sie dort als Regelschule erlebt haben, eine besondere Bedeutung zu. Wir nahmen unsere Mittagsmahlzeiten in den besuchten Schulen ein und konnten uns vor Ort von der Qualität des Essens und der Atmosphäre, in der es eingenommen wurde, überzeugen. Ich bin sicher, dass mit dieser Möglichkeit vielen Problemen, die wir bei uns kennen, entgegen gewirkt werden kann. Lernen wird in Schweden stärker als ganzheitlicher Prozess verstanden und der Unterricht entsprechend strukturiert und organisiert. Arbeitsformen, wie sie bei uns teilweise in Projektwochen zum Einsatz kommen, gehören dort stärker zum Schulalltag. In den Klassen 1-7 erhalten die Kinder keine Zeugnisse oder Noten, es werden mit ihnen und ihren Eltern halbjährlich Entwicklungsgespräche geführt. Kinder werden vorrangig mit ihren Stärken und Ressourcen wahrgenommen und weniger mit den Problemen, die sie vielleicht auch bereiten. LeherInnen und SozialpädagogInnen sind sich hinsichtlich ihres Arbeitsansatzes, der Ausbildung und der Bezahlung näher als bei uns. Gespräche finden somit zwischen gleichberechtigten und gleichen Zielen verpflichteten Fachkräften statt. Von beiden Seiten wurden immer wieder die selbstverständlichen Kooperationsbezüge hervorgehoben. Als ich nach der Rückkehr in vielen Gesprächen meine Begeisterung über die Erfahrungen in Schweden zum Ausdruck brachte, hörte ich meistens als Antwort: "Dort wird auch viel mehr Geld für Bildung investiert". Dies konnte ich bisher nicht überprüfen, ich denke jedoch, dass etliche Grundprinzipien ohne großen Kostenaufwand zu übernehmen wären. Renate Neumann
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| Ich bin in Bremen als Sozialpädagoge im Rahmen eines Schulverweigerer Projektes tätig, das sich an ältere noch schulpflichtige Jugendliche wendet, die vom Bildungssystem zuvor nicht mehr erreicht wurden. Vor der Mitarbeit in diesem Projekt war ich rund 20 Jahre lang in der Außerschulischen Jugendbildung und der Offenen Jugendarbeit tätig. Als jemand, der also nicht aus dem System Schulische Bildung kommt, jedoch immer den Auftrag hatte Lebensbewältigungsstrategien und Bildung zu vermitteln, haben mich die pädagogische Haltung der Lehrkräfte und die außerordentliche Flexibilität des Bildungssystems, das in Schweden zur Anwendung kommt, sehr beeindruckt. Ich fühle mich durch den Besuch Halmstads in der Ansicht gestärkt, dass die Krise des bundesrepublikanischen Bildungssystems nicht mit einem mehr an Geld oder der Verjüngung des Lehrkörpers aufzulösen ist, solange die vorhandenen Strukturen nicht grundlegend verändert werden. Im direkten Vergleich zum schwedischen Bildungssystems erscheint es so, als habe das statusgelenkte bundesrepublikanische neben der Vermittlung des Heimlichen Lehrplanes" (Pünktlichkeit, Fleiß, Autoritätsgläubigkeit, Ehrlichkeit etc.) hauptsächlich die Aufgabe, als Sortiermaschine zu fungieren. Das Wohlergehen der SchülerInnen, die Vorbereitung auf ihre Zukunft, die Stärkung des Selbstbewusstseins wie das Erkennen und die Förderung besonderer Kompetenzen erscheint als lästige Nebenaufgabe, die zwar von besonders engagierten Lehrkräften wahrgenommen wird, jedoch innerhalb des Systems als zusätzliche freiwillige Leistung von Schule begriffen wird. Die immer stärker, immer früher stattfindende Differenzierung des deutschen Schulsystems führt meiner Meinung nach nicht etwa dazu, dass sich die SchülerInnen in Klassen wiederfinden, in denen die Leistungsanforderungen exakter auf sie zugeschnitten sind. Das Differenzierungssystem wird von Schule in vielen Fällen als Disziplinierungskatalog genutzt, der es dem Lehrkörper ermöglicht, sich anstrengender, lästiger oder leistungsschwacher SchülerInnen auf elegante Art und Weise zu entledigen. Eine ausführliche Diagnose führt so nicht zu verstärkter Förderung, sondern zu gezielterer Abschiebung in andere Klassen / Schulstufen / Schulen. Der Lehrkörper setzt sich mit leistungsschwachen oder als störend empfundenen SchülerInnen zu häufig nicht inhaltlich auseinander, sondern sucht nach Alternativen. In aller Regel erfolgt eine Differenzierung nach Unten, findet eine einseitige Schuldzuweisung in Richtung der SchülerInnen statt. Für die Betroffenen sind die Auswirkungen verheerend: Kaum eine LehrerIn wird sich finden, die ein Wiederholenlassen eines Schuljahres oder die Überweisung auf eine andere Schule auch unter dem Blickwinkel ihrer eigenen Leistungsbereitschaft oder mit ihren unzureichenden didaktischen / fachlichen Kenntnissen begründen wird. Die betroffenen SchülerInnen, die unter anderem oftmals stören, weil sie den Unterricht als unzureichend aufbereitet und / oder nicht auf ihr Lernniveau zugeschnitten wahrnehmen, finden sich nach dem Sitzenbleiben oder Schulwechsel in Klassen oder Schulen mit einem niedrigeren Niveau und einem Lehrkörper, der noch stärker resigniert hat, wieder. Keine SchülerIn wird sich in einem Bereich engagieren, von dem sie sich nichts verspricht; die Motivation verschlechtert sich weiter, die Leistungen werden noch geringer, Schule wird als sinnlos erfahren, das Stören verstärkt sich. So wird ein unheilvoller Kreislauf, der bei allen Beteiligten für viele Frustrationen sorgt, in Gang gesetzt / gehalten. Die Problemlage der betroffenen SchülerIn gerät gar nicht erst in den Mittelpunkt des Interesses, an seiner Stelle finden sich die Befindlichkeit der agierenden LehrerIn und die Leistungsbereitschaft der betroffenen Schule. In diesem Zusammenhang kommt dem System Ganztagsschule, wie wir es in Schweden als Regelschule erlebt haben, eine besondere Bedeutung zu. Die LehrerInnen sind nicht nur viel länger vor Ort und haben somit Gelegenheit, sich mit schwierigen SchülerInnen auch außerhalb von Unterrichtszeiten auseinander zu setzen und die Chance / den Auftrag, sich als Team zu begreifen, innerhalb dessen sich SpezialistInnen für die unterschiedlichsten Problemlagen finden. Im Ergebnis wird die Reaktion auf ein Problem wesentlich qualifizierter, reflektierter und auch sorgfältig dokumentiert erfolgen und ist weniger von der individuellen Problemlösungskompetenz und Stimmungslage einer auf sich und ihre Erfahrungen gestützten, allein handelnden LehrerIn gekennzeichnet. Im bundesrepublikanischen Schulsystem werden die Kosten, die Bildung verursacht, nicht
als Investition in die Zukunft betrachtet, sondern unter konsumtiven Ausgaben verbucht -
in die SchülerInnen wird nicht investiert, sie werden verwaltet. Stefan Brückner
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Gemeinsames Fazit der AutorInnen
Zitate Ich habe in Schweden gesehen, dass die SchülerIn im Zentrum steht"
In Schweden begegnen sich KollegInnen von Schule und Soziales auf gleicher Augenhöhe" Nicht die Methode ist entscheidend, sondern die Haltung" Die schwedische Haltung zu Kernfamilie, Drogenfreiheit und Bildungsehrgeiz ist nicht unproblematisch" Die vermittelbaren Lehrinhalte stehen in Wechselwirkung mit der Befindlichkeit der SchülerInnen"
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| Die AutorInnen
Brückner, Stefan, Zentrum für Schule und Beruf - KidZ3, 0421 / 16 34 258 Dutschke, Joachim, Berufsschule für Metalltechnik - Bevenserstraße, Gores, Marita, Berufsschule für Metalltechnik - Bevenserstraße, Grüne, Gisela, Sozialzentrum Huchting, 0421 / 361 - 591 05 Hegeler, Peter, Landesinstitut für Schule, 0421 / 361 - 36 44 Höltje, Birthe, St. Petri Horthaus, 0421 / 40 01 51 Mann, Andrea, Zentrum für Schule und Beruf - KidZ1, 0421 / 38 35 40 Neumann, Renate, Sozialzentrum Huchting, 0421 / 361- 597 22 Ohle, Matthias, Senator für Bildung und Wissenschaft, 0421 / 361 - 4539 Rexin, Holger, KRIZ e.V. Flexible Betreuung, 0421 / 43 00 90 Schmaeck, Joachim, Schulzentrum Willakedamm, 0421 / 361 - 147 62
Berger, Lasse, Präventionszentrum Nord, 0421 / 69 272 - 23 Meyer - Wiedemann, Hubert, Amt für Soziale Dienste Bremen / Fortbildung, 0421 / 361 - 6846
Informationen im web Informationen über das schwedische Schulwesen können Sie unter der Adresse www.skolverket.se/fakta/faktablad/deutsch/ finden.
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| Für Verbesserungsvorschläge sind wir sehr dankbar, unsere Adresse ist: halmstad.bremen@web.de |