- andere Bezeichnungen: "H" (Eitsch), "Schore", "Material", "Mat", "Stoff", "Gift", "Age", "Braunes"...
- gehört zur Gruppe der Opiate (neben Opium und Morphium)
- Ausgangsstoff für Heroin ist das bräunliche Rohopium, der getrocknete Saft der Mohnpflanze (papaver somniferum). Durch verschiedene Destillationsverfahren wird hieraus die sogenannte Morphinbase extrahiert und im weiteren durch chemische Behandlungen und Anreicherung u.a. mit Essigsäure zu Diacetylmorphin weiterverarbeitet. Dieses Endprodukt war zunächst als Hustenmittel und als Therapeutikum gegen Morphinabhängigkeit auf dem Markt.
Merkmale
- weißes bis bräunliches kristallines Pulver mit einem Wirkstoffgehalt von 30 bis max. 90% (das in Deutschland gehandelte Heroin wird jedoch durch Beimischen von Füllstoffen auf 7 bis max. 20% gestreckt).
- Heroin wird in abgepackten Päckchen/Plastiktüten verkauft und riecht in der Regel leicht nach Essigsäure
Gebrauch
Heroin kann geraucht, gegessen, gesnieft oder injeziert werden.
Am häufigsten erfolgt die
Einnahme von Heroin durch Inhalieren
(auf Alufolie erhitzen und Einatmen über Mund und Nase, zumeist mit
kleineren Röhrchen) oder intravenös (aufkochen mit Wasser und Vitamin C,
um es dann auf eine Spritze aufziehen zu können). Zwar liegt die Effizienz der Wirkung beim Injezieren deutlich höher als beim Inhalieren - aber auch die Gefahr ungewollter Überdosierungen, Infektionen und Abzesse ist sehr, sehr hoch!
Abhängigkeit
- die Gefahr, abhängig zu werden, ist bei Heroin außerordentlich hoch, höher als bei jeder anderen uns bekannten Substanz: schon nach wenigen Injektionen kann sich eine physische und psychische Abhängigkeit ausbilden
- es besteht eine besonders schnell auftretende Tendenz zur Dosissteigerung
- dies beruht auf einer abnehmenden Empfindlichkeit der Opiatrezeptoren im Gehirn
Wirkung
Psychisch:
- schnell eintretende, einige Minuten anhaltende Euphorie, der sogenannte "Kick" oder "Flash". Heroin passiert aufgrund seiner Fettlöslichkeit die Blut-Hirn-Schranke wesentlich schneller als z.B. Morphin, sodaß es zu einer schlagartigen Anflutung des Wirkstoffes im Gehirn kommt.
- im Anschluß an den "Kick" folgt ein Zustand allgemeinen Wohlbefindens - eine ausgeglichene und ohne äußere Gründe glückliche Stimmungslage, die von hohem Selbstbewußtsein (der eigenen "Heroisierung") geprägt ist. Gegenüber Problemen und Konflikten wird der Konsument gleichgültig - der häufig quälende Alltag wird ausgeblendet. Die Reizabschirmung wird durch die seditativ-narkotische Wirkung und relative Schmerzunempfindlichkeit unterstützt.
Physisch:
- lähmende Wirkung auf das Atem- und Hustenzentrum, was bei Überdosierung zum Atemstillstand führen kann.
- der Heroin-Rausch ist sehr rasch, heftig, aber auch von relativ geringer Dauer (1-4 Stunden). Schon nach kurzer Konsumzeit verblaßt der anfänglich so überwältigende "Kick", das anschließende "High"-Sein wird als Normalzustand erlebt. Dieser Zustand der relativen Schmerzunempfindlichkeit wird immer öfter herbeigeführt, um Entzugssymptome nicht spüren zu müssen.
Nebenwirkungen
Nach der Einnahme können Übelkeit und Erbrechen, Störung der Atemtätigkeit, Kreislaufzusammenbruch und Blutdruckabfall, Pulsverlangsamung, Verengung der Pupillen und Verstopfung auftreten.
Langzeitschäden
Bei Abhängigen treten nach Absetzen des Konsums schon nach 5-7 Stunden quälende Entzugserscheinungen auf. Sie reichen von leichtem (Naselaufen, Augentränen, Frieren, Schwitzen, Zittern, innere Unruhe) bis hin zu schwersten Entzugs-erscheinungen, wie Kreislaufzusammenbrüchen, hartnäckigen Schlafstörungen, Schmerzen und Krämpfen am ganzen Körper ("turkey").
Bei andauerndem Konsum können psychiatrische und neurologische Krankheitsbilder (z.B. manifeste Psychosen, psychische Störungen etc.) auftreten.
Neben den Folgen der Langzeitabhängigkeit gibt es die direkten Gefahren, die von der Droge bzw. den Gebrauch der Droge angeben:
- Überdosis; der sogenannte Drogentod tritt auf Grund der sedierenden Wirkung auf die Atmung ein..
- HIV: durch Spritzentausch oder Prostitution besteht ein erhöhtes Risiko sich mit dem Aids Erreger zu infizieren.
- Hepatitis: eine Infektion mit diesen Erreger (versch. Typen: A, B, C,..) ist unter Heroin Konsumenten noch weitaus häufiger als mit HIV, da es sich um eine Tröpfcheninfektion handelt. Gerade bei Typ C ist eine Schädigung der ohnehin angegriffenen Leber die Folge, in 20 % ist der Verlauf tödlich, es kommt zur Leberzirrhose.
Safer use
- Besser Rauchen oder Sniefen als Spritzen!
- Möglichst risikoarm, in ruhiger Umgebung konsumieren - besser nicht allein, damit im Notfall jemand Hilfe leisten kann!
- Bei Heroin unbekannter Herkunft und Qualität zunächst die halbe Dosis konsumieren, um eine eventuelle Überdosierung oder einen 'Shake' (siehe Hilfe) zu vermeiden!
- Mischkonsum verschiedener Substanzen unterlassen, da sonst die Wirkung unkalkulierbar wird und die Risiken steigen! (v.a. Alkohol + Heroin, Kokain + Heroin, Schlaf-/ Beruhigungsmittel + Heroin ergeben lebensgefährliche Mixturen!)
Das Spritzen von Heroin bringt unweigerlich Probleme mit sich. Diese kann man höchstens begrenzen, aber nicht vermeiden. Wenn Du Dich trotzdem für's Spritzen entscheidest, beherzige die folgenden Tipps!
- Die Einstichstelle mit Alkoholtupfern desinfizieren - das verhindert die Entstehung von Abszessen (= eitrige Entzündungen unter der Haut, die zur Blutvergiftung führen können - unbedingt ärztliche Behandlung notwendig)! Besser große Nadeln (16er, 18er) verwenden, weil dadurch die Gefahr, sich die Venen zu durchstechen, geringer ist!
- Möglichst immer sauberes bzw. neues Spritzbesteck benutzen - es tut beim Spritzen weniger weh und man trifft besser!
- Vorrat an sterilen Spritzen und Nadeln zulegen!
- Zweiteilige Spritzbestecke sind besser als einteilige und als Insulinspritzen - damit reißt Du Dir die Venen auf!
- Nadeln und Pumpen niemals mit anderen Konsumenten gemeinsam benutzen und niemals den Stoff gemeinsam aufziehen und teilen - es besteht Infektionsgefahr (HIV, Hepatitis, Bakterien, Pilze)!
- Immer steriles oder frisches Wasser benutzen; Filter verwenden; Löffel stets gründlich reinigen; keinen Zitronensaft, sondern sparsam Ascorbinsäure(pulver) verwenden, wegen des Fruchtfleischs!
Die Wahl der richtigen Einstichstelle ist wichtig! Besonders riskant ist das Spritzen in die Venen am Hals, in der Leiste, in den Fußsohlen, in Fingern und in der Handinnenseite.
Beim Spritzen: immer in Richtung Herz einstechen, da sonst die Venenklappen geschädigt werden! Blut anziehen (ist es dunkel - okay. Ist es hell/ schaumig - Du hast eine Arterie getroffen - Nadel rausziehen, nicht abdrücken)!
Stets langsam einspritzen, sonst können Venen platzen!
Mußt Du mehrmals einstechen, wechsle unbedingt jedesmal die Einstichstelle!
Wenn Dein Hunger auf den nächsten Druck besonders groß ist, solltest Du zunächst Rauchen oder Sniefen, um unerwünschte Verletzungen bei der Injektion zu vermeiden!
Zu 'safer use' gehört auch 'safer sex'! Also denke daran und verwende immer Kondome! Sie schützen Dich speziell vor sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten!
Erste Hilfe im Notfall
Ein 'Shake' wird durch Schmutz und Beimengungen verursacht. Anzeichen sind Vergiftungserscheinungen wie Schüttelfrost und Krämpfe. Im Falle eines 'Shake': gut zudecken; heißen Tee (Schwarz- oder Kräutertee) trinken !
Krampfanfälle: häufig bei Mischkonsum mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln.
Erstes Anzeichen: Verkrampfung von Händen und Gesicht.
Maßnahmen: Kissen unter den Kopf, Gegenstände aus dem Weg räumen, Person nicht mit Gewalt festhalten !
Überdosierung/ Atemstillstand: immer Notarzt rufen, Mund-zu-Nase-Beatmung !
Bewußtlosigkeit: stabile Seitenlage, Atmung und Puls kontrollieren, versuchen zu wecken - falls keine Reaktion - Notarzt !
Grundsätzlich gilt: die Person nie allein lassen ! Im Zweifelsfall immer Rettungsdienst/ Notarzt rufen !
Beim Notruf 112 am besten "Atemstillstand (ohne Fremdverschulden)" angeben, die Polizei kommt
dann nicht mit !
Heroin unterliegt dem BtMG. Besitz, Erwerb und Handel mit dieser Substanz sind strafbar!