Interview mit der Soundplantagen-Crew 15.05.00

Bremen hat in letzter Zeit nicht gerade durch kreative Partykonzepte auf sich aufmerksam gemacht. Aus dieser Dunkelheit wächst seit einiger Zeit eine ganze Plantage heran - die "Soundplantage". Wir sprachen mit Tobi und Sebastian.

party-project: Hallo Tobi und Sebastian. Zuerst einmal würde uns interessieren wie die Soundplantage entstanden ist. Erzählt doch mal.

Sebastian:1998 habe ich angefangen, Partys unter dem label "plastique elastique" zu veranstalten. Im Sommer `99 lernte ich Tobi kennen, und wir gründeten die "Soundplantage", die am 6.November `99 das erste mal ihre Gewächshäuser öffnete.

party-project: Was verbirgt sich hinter dem Namen "Soundplantage" und welche Grundidee steckt dahinter?

Tobi: "Soundplantage" ist im Idealfall ein wachsendes, lebendiges, sich immer veränderndes Etwas. Für uns ist es wichtig, eine Plattform zu bieten, auf der auf unkommerziellem Wege verschiedene Ansätze fusionieren. Damit sind keine hochtrabenden Sachen gemeint, sondern wir probieren eine Party zu schaffen, bei der die Atmosphäre spürbar ist.

party-project: Wie schafft Ihr das genau?

Sebastian: Auf der ersten "Soundplantage" haben wir uns im Vorfeld sehr intensiv mit der Deko und dem sich daraus ergebenden Ambiente beschäftigt. Wenn ich auf einer Party sehe, daß sich die Veranstalter mit der "location" auseinandergesetzt haben und sich Mühe gegeben haben, da ein eigenes Ding draus zu machen, freut mich das. So richtig kalt und abgeklärt kann das dann eigentlich gar nicht mehr kommen........

Tobi: Zum Beispiel standen auf der ersten "Soundplantage" auch viele kleinere Einzelobjekte, wie Skulpturen und selbstgebaute Lampen rum, die seltsamerweise nicht beschädigt oder mutwillig zerstört wurden. Das zeigt doch, daß die Leute einen gewissen Respekt vor den Details hatten und sie irgendwie in die Party miteingebunden haben.

Sebastian: Das bringt das aber auch mit sich, wenn verschiedene Leute vor allem auch an der Deko beteiligt sind. Es war sogar so, daß einige Leute spontan Deko-Objekte repariert, oder an Ort und Stelle zurückgestellt haben.

party-project: Wie sieht Eure Aufgabenverteilung bei der Partyplanung aus?

Tobi: Sebastian und ich sind für die Organisation und die Konzeption verantwortlich, wobei sich Sebastian eher um den kommunikativen und planerischen Teil bemüht und ich die Deko koordiniere und mich um den Geldscheiß kümmere. Mittlerweile sind wir zu einem Team von ca.30 Leuten zusammengewachsen, die wir größtenteils über private Kontakte kennengelernt haben oder die sich von der Idee angesprochen fühlten.

Sebastian: Wir treffen uns im Vorfeld mit diesen Leuten und überlegen, wie die verschiedenen Ideen ein Ganzes ergeben könnten.

party-project: Was sind das für Ideen, die diese Leute mitbringen?

Tobi: Lukas beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Dias, die er selber bemalt, zerkratzt und sich bewegen läßt. Tim hat eine Technik entwickelt, mit der sich Dias zu filmartigen Sequenzen verschmelzen lassen. Stefan ist Tischler und baut Projektionsflächen, Theken, Podeste, kurz die Partyhardware. Fermin beschäftigt sich mit Videoprojektionen und Schwarzlichtspace. Das Deko-Team hat sich den Namen "electric plants" gegeben

Sebastian: Daneben gibt es natürlich noch etliche Leute, die Theke organisieren, beim Auf und Abbau helfen, Sachen durch die Gegend fahren und einfach dabei sind.

Tobi: Da verwirklicht sich für uns so ein Rhizom ([griech.] Bot. bewurzelter unterird. Sproß) - Gedanke. Jeder sucht sich seinen Bereich, in dem er seine Sachen verwirklicht und zusammen wird es eins ... yuhuu!

party-project: Neben Eurer beeindruckenden Deko, sind uns auf eurer letzten Party im Wehrschloss die beiden Areas mit völlig unterschiedlichen Sounds aufgefallen. Welcher Gedanke steckt dahinter?

Sebastian: Soundplantage will nicht nur straighten Techno, sondern die Vielseitigkeit elektronischer Musik featuren.. Deswegen sind für uns zwei Areas wichtig, um die Möglichkeit zu haben im zweiten Raum ruhigeren Sound zu fahren. Gerade das hat uns in Bremen gefehlt und da bietet sich das Jugendfreizeitheim Wehrschloss als location einfach an. An dieser Stelle auch noch `mal einen dickes Dankeschön an Stefan und Claudia.

party-project: Wie ist eure Einschätzung der bremer DJ-Szene?

Tobi: Wir haben mit der Zeit festgestellt, daß Bremen eine ganze Menge sehr fitter DJ's mit verschiedensten Stilrichtungen zu bieten hat. Gerade deshalb werden wir auch weiterhin auf die bremer DJ´s und DJ´anes setzten. Außerdem haben wir gezeigt, daß es auch möglich ist auf unkommerziellem Wege nationale (Jean Michel [Münster], Ramon [Hamburg]) und internationale Acts (Sofasurers [Wien], DJ Fresh, Elvis de Tox [Danzig]) für unser Projekt zu begeistern.

Sebastian: Zudem sind bei unseren Partys auch immer Live-Performances im Programm. Auch da gibt es in Bremen viele interessante Projekte, die von musikalischen Live-Acts bis hin zur Aktionskunst reichen und auf der Soundplantage eine Plattform finden.

party-project: Was ist für Euch neben Deko und Sound noch wichtig auf Parties, die Ihr veranstaltet? Was für Specials bietet ihr an?

Tobi: Das Hauptding ist doch, daß sich eine warme und relaxte Atmosphäre ausbreitet. Einen entscheidenden Anteil daran hat mit Sicherheit auch die Spacebar, die jedesmal dabei ist. Bei der Spacebar werden psycodilicious Spacedrinks aus magischen Pflanzenelexieren angeboten... Energie für körperbetonte Vergnügungen.... Alles legal und halt auf pflanzlicher Basis. Außerdem gibt's immer lecker Früchte umsonst und Flasche Wasser für wenig Geld.

party-project: Wie steht ihr sonst zum Thema Drogen und Party?

Sebastian: Zum einen haben wir natürlich keinen Einfluß darauf, was die Leute auf unseren Partys so konsumieren. Aus unserer Erfahrung heraus können wir aber sagen, daß sich die Anzahl der verstrahlten Partypeople in Grenzen hält. Zum anderen freuen wir uns gerade in dieser Hinsicht über die Zusammenarbeit mit Euch. Mit Eurem Infostand, ist es den Partygästen möglich sich Ratschläge zu holen oder einfach über Drogenthemen offen zu diskutieren. Dabei finde ich Euren Ansatz sehr sympathisch, der nicht versucht den Leuten die Droge auszureden, sondern ein sich selbst gegenüber verantwortungsvollen Umgang mit der Sache vermittelt. Auch das trägt mit Sicherheit zu einer entspannten Stimmung bei.

party-project: Wie viele Leute waren auf den ersten beiden Soundplantage Partys und wie war die Resonanz?

Sebastian: Auf der ersten Party haben wir mit 200-300 Leuten gerechnet. Es kamen 500 und bei der zweiten waren es sogar 700.

Tobi: Das die Party so toll angenommen wurde, hätten wir nicht gedacht und es zeigt uns, daß unser Partykonzept aufgegangen ist.

party-project: Wie sieht das mit der Geldsache aus und was bedeutet für Euch "unkommerziell"?

Sebastian: Erstmal bedeutet das, daß niemand an den Partys Geld verdient. Desweiteren ist es bei uns so, daß alles Geld, das übrig bleibt, für die Vorfinanzierung neuer Projekte verwendet wird. Das sieht im Einzelnen so aus, daß wir Bands, Live Acts, DJ's, und Dekomenschen ein entsprechendes Geld für ihren Aufwand geben. Und da geht die Kohle einfach hin, wenn bis zu zehn Acts pro Party am Start sind. Desweiteren verschlingt eine aufwendige Deko auch unvermutete Kosten.

Tobi: Das wir uns in den letzten Wochen so viele Gedanken über diesen ganzen Geldscheiß machen mußten, lag daran, daß uns desöfteren "bad vibes" begegneten. Das ging so in die Richtung, von wegen Eintritt zu teuer und Selbstbereicherung.

Sebastian: Das hat uns ziemlich angenervt. Es ist einfach so, daß wir einen bestimmten Standard fahren, der mit geringeren Eintrittspreisen nicht zu finanzieren wäre, und hey, 14 DM für zwei Bands und neun DJ's ... wo ist das Problem??? Keiner bereichert sich, keiner wird abgezockt und Bremen hat `ne schöne Party mehr!

party-project: Was ist sonst in Bremen so los, könnt ihr das einschätzen?

Tobi: Ich glaube schon, daß sich in den letzten Jahren einiges bewegt, gerade was elektronische Musik betrifft. Was fehlt sind nette kleine Clubs. Was fest institutionalisiert ist, ist halt auch schon ziemlich eingefahren und kommerziell. Aber die Leute machen sich ihre eigenen Partys und da passiert im Moment dafür um so mehr.

party-project: Was sind eure nächsten Aktionen / Partys?

Tobi: Die nächste Party ist die "Soundplantage 3" am 17.Juni im "Wehrschloss" (ab 22.00h). Adresse: Osterdeich 230 und mit der Straßenbahnlinie 3 erreichbar (aussteigen: Endhalte: Weserwehr). Nachtbahnen fahren!

party-project: Was ist geplant?

Sebastian: Es wird wieder ein sehr fettes Programm geben. 2 Dance-Floors mit 6 DJ´s und 3 Liveacts, Performances, Space-Bar, Open-air Chill-Out-Zone ...... Neben Zerial Killer (live) und DJ Kniest aus Berlin wird es den ersten offiziellen Liveauftritt von Ramon und Yak (siehe Interview mushroom Mai) geben. Außerdem treten sie natürlich auch als DJ´s in Aktion.

Tobi: Außerdem sind aus Bremen Xyphax und fuAga (beide live), watermelon woman, Martin D. und Herr Bissinger dabei und werden von Latin über Trip-Hop bis hin zu frischem drum´n bass die Leute mit Sound versorgen und ordentlich zum Tanzen bringen.

party-project: Gibt es irgendetwas, was ihr euch für eure Partys wünscht, was ihr damit erreichen wollt, o.ä.?

Tobi: Mehr Action in Bremen und schön feiern.

party-project: Wie kann man Euch unterstützen?

Sebastian: Gerade was die Deko betrifft, würden wir uns freuen, wenn man uns kontaktet. Wir haben eine eigene Werkstatt mit Lagerhalle, die Interessierten zur Verfügung steht. Auch Künstler, die einen Präsentationsort für ihre Bilder oder Objekte suchen sind willkommen. Soundplantage: Schwachhauserheerstr. 12-14 28203 Bremen / 0421-75590.

party-project: Vielen Dank für das Gespräch und auf eine nette Party am 17.

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